Betty Dodsen – Rock ’n‘ Roll Orgasmen

Schon in den 1970er Jahren hielt Betty Dodsen die Fahne der sexuellen Befreiung als Symbol für die Selbstermächtigung der Frau hoch. Sie entwickelte ihr eigenes Aufklärungsprogramm und lud Frauen zu Bodysex-Workshops ein, in denen diese ihre Vulven erkunden und sich über Masturbation austauschen konnten. Bis ins hohe Alter setzte sie sich für sexuelle Aufklärung ein.

Text: Anne Brandt / Foto: Newcherrybomb

Betty Dodsen - Grande Dame der weiblichen Selbstbefriedigung

In den 70er Jahren, als sich die zweite feministische Welle formierte, die sich vor allem auf Themen wie Geschlechterparität, gleiche Bezahlung, umfassende Kinderbetreuung und das Recht auf Abtreibung konzentrierte, hielt Betty Dodsen die Fahne der sexuellen Befreiung als Symbol für die Selbstermächtigung der Frau hoch. Für sie ging eine lustvolle Selbstbefriedigung der Frau mit der Unabhängigkeit vom Mann einher. Vergessen wir nicht: Trotz Hippiekultur ist hier von einer Zeit die Rede, in der die Masturbation des Mannes als natürlich angesehen wurde, während Frauen, wenn sie einen Partner hatten, ihr sexuelles Feuer für diesen bewahren sollten. Solcherart Beziehungstipps erhielten Frauen auch gerne von ihren Gynäkologen.

„Pflegen Sie eine sexuelle Beziehung mit sich selbst. Sie können sich selbst erstklassige Orgasmen verschaffen. Hören Sie auf, das zu tun, was Ihr Partner Ihrer Meinung nach im Bett sehen will!“, begann Betty Dodsen den Frauen zu predigen. Mit dieser sexpositiven Mission eckte sie selbst bei den damaligen Feministinnen an. „Für mich war Sex immer ein Thema von höchster Priorität“, sagte sie einmal, während es für viele andere Feministinnen in erster Linie eine private Angelegenheit darstellte.

Ab den 1970er Jahren entwickelte sie ihr eigenes Aufklärungsprogramm und lud Frauen zu Bodysex-Workshops in ihre Wohnung ein. In den Workshops ermunterte sie die Frauen, sich mit ihren erogenen Zonen zu verbinden, sich ihren Schamgefühlen zu stellen und sexuelle Fantasien zu nutzen, um so die Lust in den Solo- und letztendlich auch in den Partnersex einzuladen. „Frauen sagen mir, dass sie sich Sorgen machen, dass ihre Fantasien nicht feministisch genug sind. Ich sage ihnen: Schatz, je schmutziger und versauter, desto besser. Ich habe ein Rolodex, also eine ganze Reihe. Meine Fantasien sind so schmutzig, die Polizei würde mich wegsperren“, erklärte sie 2014 in einem Interview für The Guardian.

Den vollständigen Text samt einer Anleitung für „Bettys Rock ’n‘ Roll Orgasmustechniken finden Sie in Séparée No.36.

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