6 Pornos mit Stil und Humor

Die Suche nach wirklich erotischen Filmen, in denen es ordentlich zur Sache geht, die aber dennoch geschmackvoll und unterhaltsam sind, gestaltet sich schwierig. Hier stellen wir 6 wirklich sehenswerte Filme vor.

6 Pornos mit Stil und Humor

Die Suche nach wirklich erotischen Filmen, in denen es ordentlich zur Sache geht, die aber dennoch geschmackvoll und unterhaltsam sind, gestaltet sich schwierig. Die gängigen Plattformen im Internet bieten oft nur ein eintöniges Rein-Raus mit unansehnlichen Männern und fantasielosen Szenarien. Das Berliner Pornfilmfestival 2014 wartete hingegen mit einem überaus reichhaltigen Schatz an erfrischenden pornografischen Filmen auf, über die Hälfte davon stammte aus Frauenhand. Eine wichtige Erkenntnis nach dem Festival: Beim Sex wurde bisher einfach zu wenig gelacht. Hier ist eine Auswahl von sechs wirklich sehenswerten Filmen.

Text: Ute Gliwa
Fotos: PR

Momentum

momentum

Australische Filme waren der Schwerpunkt des 9. Berliner Pornfilmfestivals. Während viele andere der gezeigten Filme überall auf der Welt hätten spielen können, atmet „Momentum“ wirklich australisches Flair. Der Himmel, das Licht, die Weite, genau so stellen wir es uns vor. So sieht Freiheit aus. Der erste Teil des Films besitzt fast Roadmovie-Charakter. Drei Freundinnen fahren in einem Oldtimer an den Strand, surfen, plantschen, knutschen, masturbieren – und holen sich dabei einen enormen Sonnenbrand. Im zweiten Teil des Streifens trifft eine der Freundinnen mitten im Nirgendwo ihren Lover. Sie vergnügen sich ausgiebig auf der Ladefläche eines geschlossenen Pickups, dessen Ladeklappe offen steht. Im dritten Teil verlustiert sich eine der Freundinnen mit einer vierten jungen Frau. In allen drei lose zusammenhängenden Episoden sind der Sex und die Interaktion nicht choreografiert, sondern von den Darstellern frei improvisiert. Die Intimität und Lust sind echt, und die Protagonisten kommunizieren bei ihrem Tun miteinander, geben einander kleine, subtile Anweisungen und äußern Wünsche, ganz so wie es im echten Leben sein sollte.

Regie: Michelle Flynn, Australien 2014, 50 Min. www.lightsouthern.com

Pulsion

pulsion

Mein ungeschlagener Lieblingsfilm dieses Festivals. Im Programm wurde er als Pornokomödie angekündigt, was ich mir zunächst nur schwer vorstellen konnte, doch nun kann ich sagen, dieses Genre ist genau das, was der Pornografie noch fehlte. „Pulsion“

ist ein echter Spielfilm mit einer echten Handlung. Er beginnt mit der jungen Eva, die am PGAD-Syndrom („Persistent Genital Arousal Disorder“) leidet, was bedeutet, dass sie in allen möglichen und unmöglichen Situationen dem Drang zu masturbieren erliegt, was zwar erst einmal ganz lustig klingt, es aber noch gar nicht ist. Lustig wird es erst, als sie sich auf Anraten eines sonderbaren Therapeuten für eine Woche in eine Villa zur Gruppentherapie begibt. Die anderen Therapie-Teilnehmer leiden an den absonderlichsten sexuellen Konditionen, die es im Übrigen tatsächlich gibt. Anstatt sich jedoch an die Anweisungen des Therapeuten zu halten, vögeln alle munter durcheinander und frönen ihrer speziellen Vorlieben. Auch witzige Dialoge und Momente kommen nicht zu kurz. Insbesondere eine Szene ist absolut köstlich: Eine der jungen Frauen schleicht mit zwei Herren in den stockfinsteren Garten, wo sie sich übereinander hermachen, das Ganze nur beleuchtet von den beiden Taschenlampen, die die Protagonisten bei sich tragen. Die Szene war komplett improvisiert, erklärte die Regisseurin später, und sie ist wunderbar erotisch und dabei urkomisch, weil die Darsteller auch hier ganz ungezwungen und mit Humor parlieren und kopulieren.

Regie: Ovidie, Frankreich 2014, 90 Min. www.ovidie.net

(S)he Comes

(s)he comes

Petra Joy ist mit ihrer zehnjährigen Pornofilmlaufbahn eine alte Häsin zwischen vielen Newcomern des „Feminist Porn“. Ihr neuer Film reiht einzelne Kurzfilme aneinander. Die Frauen in den Episoden kommen wie ganz normale Frauen daher, sie sind nicht genormt und auch meist nicht rasiert, ihre Brüste sind nicht perfekt und sie sind nicht mehr alle ganz knackig. Ein breites Spektrum an Frauen wird hier gezeigt. Als Zuschauerin kann frau sich viel besser mit diesen Damen identifizieren als mit den Plastikpüppchen aus dem Mainstream Porn. Dazu gibt es einen hübschen Kerl mit einem stattlichen Schwanz, der auch mal allein in Aktion tritt, was man sonst selten sieht: erst tanzend, dann masturbierend. Die krönende letzte Episode des Films findet in einer Erotikboutique statt. Kurz vor Ladenschluss betritt ein Paar den Laden, um sich auszustaffieren. Sie probieren ihre Outfits gleich vor Ort aus, die kesse Verkäuferin schaut erst zu, dann mischt sie mit. Dazu gibt es gute Musik und eine schöne Kameraführung.

Regie: Petra Joy, GB 2014, 80 Min. www.petrajoy.com

Unhung Hero

unhung hero

Ein einschneidendes Ereignis aus dem echten Leben des Protagonisten gab Anlass zu diesem ganz besonderen Dokumentarfilm. Vor laufender Kamera und Live-Publikum machte er vor ein paar Jahren seiner Freundin einen Heiratsantrag, die ihn eiskalt abwies. Später erklärte sie ihm, dass die Größe – eigentlich der Mangel an Größe – seines Penis’ Grund für ihr Ablehnen war. Fassungslos begab er sich schließlich, da ihn das Problem nicht losließ, auf die Suche nach einer Antwort auf das Dilemma. Kann ein Penis zu klein sein? Ist der seine zu klein? Was ist überhaupt „zu klein“ und was tut man dagegen? Vor laufender Kamera konfrontiert er seine Umwelt und teilweise recht skurrile Spezialisten, er probiert Medikamente und absurde mechanische Verfahren aus, und als all dies nichts nützt, geht er den „Penisgepflogenheiten“ anderer Nationen auf den Grund. Eigentlich wirkt der attraktive junge Mann sehr sympathisch, intelligent und humorvoll und man fragt sich, was all das Gewese eigentlich soll. Ich ertappte mich mehrmals bei dem Gedanken, dass ich ihn sicher nicht von der Bettkante schubsen würde, vorausgesetzt, er würde das kleine anatomische Defizit mit einer geübten Zunge und talentierten Fingern wettmachen. Es dauert lange, bis ihm endlich jemand einen wirklich brauchbaren Rat geben kann und er begreift, dass sein Ansatz, das Problem zu betrachten und zu lösen, keine gute Idee war. Der Film sollte unbedingt Pflichtprogramm für alle Teenager werden!

Regie: Brian Spitz, USA 2012, 87 Min. www.unhunghero.com

A Call For Help

a call for help

Dieser Film wurde beim Pornfilmfestival als Vorfilm gehandelt, aber er gefiel mir so gut, dass er trotz seiner Kürze eine Empfehlung wert ist. Das Besondere an ihm ist Morgana Muses, die Regisseurin, die erst mit 45 nach der Scheidung ihrer spießbürgerlichen, nicht erfüllenden Ehe ihre wirkliche Sexualität entdeckte und begann, nicht nur Pornos zu drehen, sondern auch selbst als Akteurin darin mitzuwirken. Auch dieser Film besteht aus einzelnen Episoden, die am Ende jedoch einen amüsanten Kreis schließen. Die Darstellerinnen sind alle 50+, was positiv auffällt, da die Ladies durchaus attraktiv sind, aber eben anders als in anderen Filmen. Frauen aus dem echten Leben. Morgana selbst, mit eleganter Frisur und Perlenkette, lässt sich vom Monteur in der Autowerkstatt vernaschen, eine würdevolle reife Domina bestraft ihren Sklaven, der ihren Geburtstag vergaß und schmückt ihn selbst als Geschenk mit bunten Ballons und Folie, eine dritte fesche Lady lässt sich von ihrem jugendlichen Liebhaber verwöhnen und die vierte, die alle Episoden verknüpft, versucht derweil allein ihr Glück.

Regie: Morgana Muses & Anna Brownfield, Australien 2014, 34 Min. www.permission4pleasure.com

The Fantasy Project

the fantasy project

Das Konzept der Aneinanderreihung einzelner Episoden funktioniert auch hier wunderbar. Wo Séparée das weibliche Kopfkino durch das geschriebene Wort umsetzt, tut dieser Film es mit Bildern. Die Protagonistin der Rahmenhandlung arbeitet an einer Recherche zu weiblichen Sexfantasien. An ihrem Schreibtisch sitzend liest sie nacheinander die E-Mails der Frauen, die ihr ihre Fantasien beschreiben und stellt sich diese in Gedanken bildlich vor. Die so entstandenen Sequenzen werden von herzerfrischenden Off-Kommentaren begleitet, nämlich dem O-Ton der E-Mails. Die Fantasien sind wirklich schön, und ab und an muss frau laut loslachen, weil sie sich wiedererkennt. Da wird eine Dame von einem Masseur verwöhnt, eine gönnt sich einen ausführlichen Dreier, eine andere lässt sich entführen und von diversen Personen dominieren, eine vierte hält sich einen Diener in einem eigens dafür vorgesehenen imaginären Zimmer. Auch hier ganz normale Frauen mit normalen Körpern und normaler Schambehaarung.

Regie: Ms. Naughty, Australien 2014, 80 Min. www.msnaughty.com

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