Was ist eigentlich guter Sex?

Über Wedges mit Sour Cream, glasierte Pussys, ein Nest im Wipfel des Lustwaldes und die Frage, was eigentlich guten, nein, wirklich geilen Sex ausmacht.

Text und Foto: Anne Brandt & Till Ferneburg

Ein Textauszug …

Mehr als Biologie und Chemie

Orgasmen sind herrlich. Aber es geht nicht um Orgasmen. Es geht ums Weben und Verbinden, um das Erwecken von Glückseeligkeit, Staunen in tellergroßen Augen, um Herzöffnung und ums Seelestreicheln, also um mehr als physische Verbindung – auch wenn eine pralle Eichel in der G-Zone am Vagina-Dach ganz köstlich ist. Oder am Muttermund. Oder am Gaumen. Wenn ihre glasierte Pussy wie das Himmelstor schmeckt. Denn hinter dem geilen Gefühl liegt a brand new world: aus Gefühlen, Eindrücken, Empfindungen, die nochmal geiler sind, zehnmal geiler. Vielleicht mit mehr als einem oder zwei Höhepunkten.

Doch diese Welt bleibt mir verborgen, wenn ich Sex mechanisch betreibe, wenn er aus Attraktionscodes besteht à la „Er hat Muskeln und eine lange Latte“, „Sie hat lange Haare und 75D“. Oder wenn ich in starren Rollen spiele, die von Pornos geprägt sind. Dieses Sex-Performen ist genauso langweilig wie eine Wissenschaft, die alles seziert und relativiert: Dass es die Hormone seien, Pheromone, diese und jene Schwellkörper, etc. pp. Wissen wir ja längst. Gerade weil wir uns auskennen, bspw. wie groß die Klitoris tatsächlich ist, lassen wir Anatomie, Biologie und Chemie hinter uns und lassen uns wieder verzaubern.

Guter Sex braucht Zauber

Apropos Zauber, fürs Betreten dieser neuen Welt braucht es zweierlei: Seine Bereitschaft, eine Liebeskunst jenseits des Samenergusses zu entwickeln und higher states of intimacy zu erreichen. Ihre Bereitschaft, die domestizierte Sexualität der weiblichen Generationenfolge hinter sich zu lassen und zur verschlingenden Frau zu werden, die stolz auf ihre (erwachte) Lust ist und diese erforscht. So können beide (neu)gierig aufeinander sein, durch hohe sexuelle Energien in den Lebensfluss eintauchen und den ganzen Zauber, alle Mysterien der aufgeladenen Verbindung, erfahren und genießen. Dann bauen sich beide ein Nest im Wipfel des Lustwaldes, machen aus dem alten Ziel ihrer und seiner Befriedigung (die sie längst erreichen), etwas Größeres, Gemeinsames. So dass 1+1 sich nach mehr als 2 anfühlt. Vertrautheit kann auch mit Überraschung einhergehen, wenn beide feststellen, wie stark sie aufeinander reagieren können, immer wieder; dass die Anziehung genauso wächst wie neue Formen der Lust und Leidenschaft.

Wie man guten Sex lernt und übt, lesen Sie in Séparée No.32.

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