Eine Frage der Größe

Machen wir uns nichts vor: Natürlich kommt es auf die Größe an. Und weil ein Penis so individuell ist wie sein Träger, sollte ein Kondom wie ein Maßanzug sitzen. Wie wichtig die richtige Kondomgröße und warum das Gespräch darüber so schwierig ist, erklärt Thomas Hahn, Vertriebs- und Marketingleiter von MY.SIZE.

Machen wir uns nichts vor: Natürlich kommt es auf die Größe an. Spätestens seit Samantha dies verzweifelt in „Sex and the City“ kundgetan hat. Und weil ein Penis so individuell ist wie sein Träger, sollte ein Kondom wie ein Maßanzug sitzen. Wie wichtig die richtige Kondomgröße und warum das Gespräch darüber so schwierig ist, erklärt Thomas Hahn, Vertriebs- und Marketingleiter von MY.SIZE.

Interview: Janina Gatzky
Foto: Knut Wiarda – Fotolia.com

Warum ist es so wichtig, dass ein Kondom ganz genau passt? Ist Gummi nicht elastisch?

Thomas Hahn: Es kommt nur drauf an, was Mann will: Einen ordentlich strammen, schön engen Gummi, den ich mit sehr viel Kraftaufwand, Gewalt und Schmerzen über die Eichel würge, finden bestimmt ganz viele Männer toll. Aber nicht jeder. Manche genießen einfach, wie leicht und zart der Gummiring über die Eichel gleitet und dass der/die Partner/in sich trotz Gummi dazwischen tatsächlich noch so anfühlt, als wäre er oder sie im selben Bett. Muss keiner wollen, wollen aber immer mehr. Der Mann ist nämlich noch empfindsamer als sein bester Freund, und wenn der nix mehr spürt, geht auch die Lust im Kopf schnell flöten. Das Empfinden ist eben nicht so dehnbar wie Latex.

Ist es mit dem Kondomkauf dann so wie beim Schuhkauf? Passen muss er und sollte nicht schon im Laden drücken?

Genau – auch das überlässt ja keiner dem „Schuhfall“. Nur dass wir unser Geschlechtsorgan in der Regel nicht zur Fortbewegung nutzen.

Welche Größen gibt es denn dann außer S, M, L und XL?

Wir haben sieben Kondomgrößen von 47 bis 69 mm nominaler Breite. Das ist ein Zahlenwert, der auf jeder Kondomschachtel im Kondomhandel vermerkt sein muss, damit Mann/Frau überhaupt die Chance hat, das passende Kondom zu finden. Dieser Wert ergibt sich, wenn ein Kondom abgerollt flach liegt und quer gemessen wird.

Kommt es denn nicht auch auf die Länge an, damit der Gummi nicht hochflutscht? Das kennt frau ja vom Minirock. Oder unten umgekrempelt werden muss, wenn die Jeans von der großen Schwester noch nicht passt?

Wir müssen beim Denken im Zusammenhang mit Kondomen die Richtung ändern: Es geht bei sicherem und gefühlvollem Sex mit Kondom NUR um die BREITE – und nicht um die LÄNGE des Penis. Ausreichend lang sind die Kondome immer. Männer stehen unter einem enormen „Meiner-muss-der-Größte-sein-Druck“. Und so schnell, wie dann die Angst oben ist, ist sein Penis wieder unten. Meine Größe (also MY.SIZE) ist immer die beste, egal wie „er“ geformt ist; das ist unsere Botschaft. Jeder Penis hat wahre Größe und dafür soll er auch die passende Erektionsbekleidung bekommen. Wir orientieren uns dafür weniger an peinlich bewertenden Kürzeln, sondern machen das mit Zahlen, denn – wie gesagt: Der empfindlichste Teil am Penis ist …. der Mann!

Woher weiß Mann denn seine Größe bzw. wie kann ich als Frau die Größe herausbekommen?

Wir bieten zur Orientierung den Kondomguide zum Herunterladen und Ausschneiden an oder auch den MY.SIZER (Anm. d. Red.: ein Messschieber) zum kostenlosen Bestellen: Beides sind „Messdiener“, die basierend auf den Erfahrungen von Millionen Verwendern Empfehlungen aussprechen. Sie sind sowohl in Apotheken und im Fachhandel als auch online erhältlich. Manche Männer nutzen auch mal eine Größe kleiner, wenn sie sich ein wenig verzögern möchten, andersherum kann er sich intensiver spüren, wenn er ein Maß über der Empfehlung nutzt. Das ist eine Revolution im Liebesspiel und ein ganz neuer Umgang mit Kondomen.

Stimmt. Kondome nicht nur als Verhüterli, sondern auch als Sexspielzeug. Das ist in der Tat ein neues Denken. Aber ob das den Popularitätswert von Kondomen wirklich steigern wird?

Sobald das Kondom passt, spielt es tatsächlich keine Rolle mehr: Der Kopf ist frei und die Post geht ab. Paare berichten wirklich von lebensveränderndem Erleben und einer sehr großen Bereicherung; auch, weil schon das Überziehen eines passenden Kondoms zu einem Teil des Aktes wird: Wenn´s passt, geht DAS nämlich auch „mit-ohne“ Hände…

Ach, wirklich? Aber zurück zur passenden Größe. Unter uns: Verändert sich denn die P-Größe im Laufe des Lebens oder ist Mann immer eine 49, 57 oder 64? Als Frauen kennen wir ja Freud und Leid schwankender Körbchengrößen.

Gut, dass Du fragst: Es gibt auch beim Mann „maßgebliche“ Änderungen im Leben seines P: Der junge Mann ist bis zum Alter von 18 oder 19 Jahren im Wachstum – und tatsächlich auch sein Penis, logisch. Zudem haben wir Männer mal eine Topform – und mal eben auch nicht, was sich dann auch im Volumen unserer Erektion abzeichnet. Und schließlich ist der Penis auch beim Akt selbst zwar ein Meisterstück der Natur, aber nicht ein konstantes Werkstück wie ein Dildo beispielsweise. Außerdem ist es wohl auch so, dass wir Männer im Laufe der Jahre etwas kürzer treten – in allen Belangen. Will sagen, auch unser Penis zieht mit der Zeit den Kürzeren. Das ist wohl tatsächlich messbar – aber wohl… naja – es ist eben messbar. Aber wie in allen Dingen empfehle ich auch bei unseren Dingern: Wir sollten uns mehr am Gefühl als an der Materie orientieren. Ich kann mir all die Wunder an und in mir runterrechnen. Dabei macht das Bewusstsein über Deine Einzigartigkeit sexy. Vergleiche in Bereichen, die unveränderbar und ein Geschenk sind, machen Angst und sind undankbar und doof.

Absolut, aber warum tun sich viele Männer denn eigentlich so schwer, ein Kondom in ihrer Größe zu kaufen? Spielt da doch die Psyche mit rein?

HA!! Männer und Psyche?? WAS IST DAS? Damit will ich nichts zu tun haben!!! DAS ist doch des Pudels Kern: Im Stammhirn ist Tausende Jahre lang abgespeichert worden: Mann biste dann, wenn Dein Schwengel der GRÖßTE ist. Ist halt so ein archaisches Bild in uns. Die Psyche hat damit eigentlich erst dann ein Problem, wenn er die Hosen runterlassen soll, denn bis dahin können wir ja nach draußen immer auf dicke Hose machen: MY.karre, MY.haus, MY.boot, MY.weib . . . (Mann/Frau beachte die Reihenfolge!) Aber dann geht es ans Eingemachte. Im Internet, im Fachgeschäft und beim Apotheker fühlt der Mann sich geschützt und kauft Kondome in jeder Größe! Wie irre! Also doof ist er offensichtlich nicht – aber schamhaft: Wenn ich im Selbstversuch in die Drogerie gehe, Kondome in meiner Größe suche und jemanden ansprechen muss – womöglich noch eine FRAU: Dann ist das verständlicherweise schnell mal peinlich für beide Seiten. Ich habe es ausprobiert – selbst mir ging es so, obwohl ich den ganzen Tag über nichts anderes rede!

Und dann kauft Mann doch lieber drei Nummern zu groß, um nicht mitleidig belächelt zu werden. Da lob ich mir doch Pushups und Booster und in der Regel verständnisvolle Verkäuferinnen, denen es auch nicht anders geht. Frauen sind da etwas solidarischer. Aber das ganze Dilemma ist sicher nicht nur auf individuelles männliches Konkurrenzdenken zurückzuführen.

Das Thema Penisgröße ist genauso überfrachtet mit Leistungs- und Bewertungsdruck wie das schwarze Loch dahinter groß ist, so dass man schon fast von einer Tabuisierung sprechen kann. Wenn das Thema zur Sprache kommt, dann nur völlig überzeichnet in das eine oder andere Extrem. Bis hin zu dem Effekt, dass sich die Menschen immer noch verzweifelt und riskant mit unpassenden oder ohne Tüten lieben! Die für mich einzig logische Erklärung für diese eklatante und lebensrelevante Wissenslücke ist unsere kulturgesellschaftliche Inkompetenz, das Thema Penisgröße menschen-, lebens- und lustfreundlich zu kommunizieren. Dabei beobachten wir bei ALLEN Paaren, die uns schreiben, dass sie eine regelrechte Fassungslosigkeit bei erstmaligem Sex mit passendem Kondom auf zwei Ebenen erleben: Es ist den Menschen erstens unbegreiflich, dass sie oftmals jahrelang nicht auf die Idee gekommen sind, nach passenden Kondomen zu suchen und zweitens erleben sie den Sex miteinander plötzlich unglaublich anders, dass sie genau diese Tatsache der früheren Ausblendung sehr bedauern – und gleichzeitig sehr glücklich sind, dass diese Zeiten vorbei sind.

Lesen Sie das vollständige Interview in Séparée No.4:

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