Der Weiblichkeit auf der Spur

Gebärmutter. Eierstöcke. Cellulite. Ur-Frau, Hexe, Amazone. Schwäche, Hysterie, Migräne? Ist das wirklich weiblich? Um Missverständnissen gleich vorzubeugen: Im Folgenden geht es nicht um Männer, die so sind, und Frauen, die anders sind, sondern um männlich und weiblich, zwei Pole, die jeder Mensch braucht und in sich trägt.

Text: Bettina Benesch / Foto: amixstudio/stock.adobe.com

Weiblich, männlich - Yin & Yang

Für mich ist dieser energetische Ansatz sehr überzeugend. In diesem Sinne ist Weiblichkeit nämlich das Sein, Empfangen und Fühlen. Das Ankommen in sich selbst und Wahrnehmen aller Anteile, egal ob hell, dunkel, schwach oder stark. Dieses So-Sein wird in unserer Gesellschaft wenig geschätzt, weil unser Leben weitgehend auf der männlichen Energie, dem Tun, aufgebaut ist. Handeln wird belohnt, Nichtstun, wenn nicht geächtet, so doch missgünstig beäugt. Denn was entsteht aus dem Nichtstun? Hinsehen und Reflexion. Wenn wir also im Sein, bei uns angekommen sind, fühlen wir nicht nur unsere hellen, sondern auch all unsere dunklen Anteile. Macht das jemand freiwillig? Nein. Weil es uns abtrainiert wurde, sie zu akzeptieren. Wir optimieren lieber an uns herum und rennen leistungsgetrieben durch die Gegend, um uns nicht zu spüren.

Lilith & Adam

Wir alle wissen, dass in den vergangenen Jahrhunderten die männliche Energie on top war und die weibliche unterdrückt wurde. Allein schon die Sage um Lilith und Adam spricht Bände: Jüdischen Erzählungen zufolge war Lilith Adams erste Frau; beide aus derselben Erde erschaffen. Lilith sieht sich als gleichberechtigt, Adam ist da anderer Meinung. Letztlich erkennt Lilith ihren Partner nicht als ihren Herren an und verabschiedet sich aus dem Paradies. Gott stellt Adam schließlich Eva an die Seite. Sie ist aus Adams Rippe geboren und hat daher keine Probleme, sich unterzuordnen. Lilith ist forthin verdammt, als kinderfressende Dämonin und todbringende Verführerin ihr Leben zu fristen. Ob sie Freude dabei hatte, wurde nicht überliefert.

Dabei wäre es interessant zu wissen, wie sie sich gefühlt hat. Denn die Weiblichkeit steht für das Gefühl schlechthin. Die Welt, in der wir leben, ist nicht so heiß aufs echte Gefühl. Ein wenig Gefühl, okay. Aber echte Gefühle zeigen, sich Neid zuzugestehen, Hass vielleicht, Scham, Groll, Verzweiflung – ja, und wahre Liebe – ist für viele eine untragbare Schwäche. Verletzlich sein. Oh no, pfui!

Erinnert sich jemand an die entscheidende Szene in „Das 5. Element“, als Korben Dallas Leeloo seine Liebe gestehen soll, um die Welt zu retten? Die Menschheit steht am Abgrund und selbst da bekommt er seine Gefühle nicht ausgedrückt. Eine gefühlte Ewigkeit ziert er sich, bis endlich das erlösende „Ich liebe dich“ wie ein Zauberspruch über seine Lippen hüpft.

Und womöglich ist es gerade jetzt angesagt, anzuerkennen, dass wir lieben und trauern und grollen und uns endlich zugestehen, dass wir Menschen sind und keine Zorgs oder Mangalores. Das könnte die Lösung sein, die die Welt derzeit braucht. Vielleicht geht es gerade jetzt, wo alles im Chaos zu versinken droht, gerade nur ums Spüren. Das Spüren unserer Dunkelheit. All die Schatten, all die vielen kleinen Liliths in uns, hätten uns so viel zu sagen: von Scham und Unterdrückung, von Angst und Verzweiflung, von Tod und Neugeburt.

Und klar wollen wir alle dort ums Verrecken nicht hinein, weil es sich anfühlt wie die Hölle. Wir sind es nicht gewohnt, unsere dunkle Seite wirklich wahrzunehmen. Wir wollen Sonnenschein. Nicht umsonst geht die Mondin in der Nacht auf und Bruder Sonne leuchtet untertags, wo alles hell ist und strahlt. Und so haben sich die Menschen gedacht: Nageln wir die Kellertür einfach zu. Doch Lilith will auch ans Licht, denn sie gehört zum Leben. Und sie hat enorme Kraft, denn im Exil hatte sie genug Zeit, um aufzutanken.

De gesamten Beitrag zur Weiblichkeit finden Sie in Séparée No.34.

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