Text: Tamara Tasso, Foto: Oleg Breslavtsev/stock.adobe.com
Ideales sexuelles Szenario
Entwickelt wurde das ideale sexuelle Szenario von Psychotherapeut und Sexualwissenschaftler Ulrich Clement, als eine Übung zu selbstbestimmter Sexualität, bei der es darum geht, sich selbst besser kennenzulernen. In seinem empfehlenswerten Buch Guter Sex trotz Liebe schreibt er, das ISS solle eine optimale erregende Begegnung sein, um sich selbst als sexuelle Person optimal zur Geltung bringen, frei von moralischen Erwägungen und frei von einer Verantwortung für eventuelle Folgen, und vor allem frei von Rücksichten auf ihren Partner.
Im Therapiesetting gibt es dazu feste Regeln: Man verabredet, dass jeder Partner sein eigenes ISS schreibt. Man vereinbart außerdem einen Zeitpunkt, an dem man darüber ins Gespräch kommt und zeigt dem anderen das eigene ISS vorher nicht. Wenn es soweit ist, gibt es mehrere Möglichkeiten:
Das eigene ISS zeigen oder es für sich behalten. Das vom Partner lesen wollen oder es nicht erfahren wollen. Das Aushandeln dieser Möglichkeiten ist der zweite wichtige Teil des Prozesses. Hier geht es wieder um Selbstbestimmung, Grenzen zu setzen, sich mit den eigenen Wünschen zuzumuten, sich mit seinen Ängsten zu zeigen. Das schafft im besten Fall Nähe zwischen den Partnern, kann aber auch einen bestehenden Konflikt sichtbarer machen. Dieser Prozess ist mit oder ohne Therapeut möglich.
Ich habe das Konzept des idealen sexuellen Szenarios in meiner Ausbildung zur systemischen Sexualberatung kennengelernt und es hat mich fasziniert. Während der Ausbildung waren wir angehalten, unsere eigenen ISS zu schreiben. Diesen Text zu schreiben fiel mir leicht. Er ist für mich wie eine Lupe, er macht gewisse Dinge sichtbar. In meinem ISS bin ich hemmungslos anspruchsvoll. Die lange Liste an stimmigen äußeren Bedingungen – Sicherheit, wohliges Körpergefühl, endlos verfügbare Zeit, ein Königin-in-meinem-Reich-Gefühl, Nähe zur Natur, ideale Temperatur, ideale Tageszeit, ideale Zykluszeit – zeigen mir, dass mir das Setting wichtiger ist als ich dachte. Vor allem ungestört und in meinem eigenen Raum zu sein, hat einen großen Einfluss auf meine Entspannung. Einige Aspekte waren mir vorher schon bewusst, zum Beispiel, dass ich das Erste-Mal-Gefühle erotisch finde, dass ich meine eigene, zarte Art von Überlegenheit genieße, dass ich Sex zu dritt mag und auch Männer gern miteinander erlebe …
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