Text: Anne Brandt, Foto: Julia Mastritsch_Pixabay
Warum wir mehr Jazz im Leben brauchen
Neulich saß ich wieder einmal im Berliner Jazz-Club Zig Zag, ein Glas Dark and Stormy in der Hand. Die Atmosphäre vibrierte. Die Musik breitete sich aus, im Raum und in mir. Mal samtig und leichtfüßig, mal wild und fordernd. Während ich mich von den Tönen tragen ließ, kam mir ein Gedanke: Gleicht Jazz nicht manchmal einem guten Gespräch zwischen Liebenden?
Hören Sie beispielsweise In a Sentimental Mood von Duke Ellington und John Coltrane. Ellington eröffnet mit dem Klavier das Gespräch. Coltranes Saxophon antwortet. Sie nähern sich an, behutsam und zärtlich. Sie lauschen einander. Lassen sich Raum. Dann wieder scheinen sie sich zu widersprechen, umkreisen einander fragend. Dissonanzen klingen an. Mal führt das eine Instrument, mal das andere. Keines aber unterwirft sich. Beide bleiben unverwechselbar in Klang und Charakter. Gerade darin liegt die Kraft dieser Musik. Sie lebt vom Mut, Spannungen stehen zu lassen, statt sie aufzulösen. Aus diesem Spannungsfeld entsteht eine Intensität, die beinahe körperlich spürbar wird. Nicht Gleichklang lässt den Jazz so lebendig wirken, sondern das kreative Spiel, auch mit Unterschieden.
Und vielleicht ist es kein Zufall, dass Jazz im amerikanischen Slang früh mit Vitalität, Energie und Elan assoziiert war, für etwas Unverfügbares, das sich einer Zähmung verweigert. Dieselbe Kraft wirkt auch im Eros, unserer Lebensenergie. Eros will Entwicklung, Intensität und Verbindung.
Und genau hier betritt vor meinem inneren Auge David Schnarch den Jazzclub und applaudiert den Musikern lächelnd.
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Die vier Aspekte der Balance nach David Schnarch, die Anne Brandt in Séparée No.49 beschreibt, sind eine Offenbahrung!





