Sex der Zukunft?

Interaktiver Virtual-Reality-Porno klingt nach etwas, das von Nerds für Nerds entwickelt wurde. Wir haben dem technischen Fortschritt trotzdem mal eine Chance gegeben und es ausprobiert.

Text: Elisa Lennart

Den „Sex der Zukunft“ verspricht das Porno-Spiel vrXcity, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Porno auf die Technik des 21. Jahrhunderts zu updaten. Als ich bei meinem Besuch auf der diesjährigen Messe „Venus“ an den Stand des Entwicklerteams herantrete, fällt mir als erstes die Menschentraube auf, die sich um einen alten Herrn geschart hat, der mit Virtual-Reality-Brille auf einem Stuhl sitzt und mit offenem Mund und zittrigen Händen nach etwas Unsichtbarem tastet. Nach ein paar Minuten muss er von der Standbetreuung gebeten werden, das Spiel zu beenden, damit auch noch andere in den Genuss kommen können. Sieht schon mal vielversprechend aus, dass hier jemand gar nicht mehr aufhören will, doch wahrscheinlich bin ich nicht ganz so leicht zu beeindrucken wie der alte Herr. Als Frau bin ich unter den anderen Schaulustigen sowieso in der Minderheit. Kein Wunder, das Porno-Spiel wurde auch für den klassischen Heteromann entworfen.

Ich bin an der Reihe. Brille auf und ich tauche ein in eine 3D-Welt, die aussieht wie Dubai. Strahlender Sonnenschein, Wolkenkratzer und blauer Himmel. Von zwei Porno-Ikonen darf ich mir eine aussuchen, mit der ich mich gleich vergnügen soll. Eine braunhaarig, eine blond, Diversität muss sein. Mir sind beide unbekannt und ich merke, dass ich noch einiges aufzuholen habe, um beim Pornhub-Smalltalk vorne mitmischen zu können. Ich wähle die Blonde. Den Schauplatz meines virtuellen Stelldicheins darf ich mir auch aussuchen. Luxus-Büro im zwanzigsten Stock, Designer-Wohnzimmer oder gleich direkt am Pool. Ich fühle mich unangenehm in die begrenzte Vorstellungskraft einer ganz bestimmten Zielgruppe hineinkatapultiert: Reiche, weiße Männer. Anwälte. Unternehmer. Banker.

Und jetzt geht’s los. Ich sehe an mir herunter und entdecke meinen Virtual-Reality-Penis, allerdings nur den Ansatz, denn mit der Spitze bin ich schon in mein Objekt der Begierde eingedrungen. Der Avatar steht gebückt vor mir – die Stellung lässt sich in einem Menü auswählen – und bewegt sich langsam und verzerrt vor und zurück. Sie erinnert mich an eine Figur aus dem Computerspiel Sims, und heiß wird mir bei ihrem Anblick erst mal noch nicht. Die Figur ist nackt, Po und Brüste sind ausgeprägt, aber schon ihre Vulva ist nicht mehr detailiert dargestellt. Für einen Porno ist das wenig explizit. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass auf der Messe nur eine reduzierte Version des Spiels gezeigt wird.

Mit meiner Aufgabe bin ich dann auch ein wenig überfordert. Nicht, weil ich hier die Rolle des Mannes einnehmen soll. Rollentausch war ja schon immer irgendwie heiß und das kriege ich in meiner Fantasie gut hin. Aber es scheitert an meinen mangelnden Fähigkeiten in der Bedienung der beiden Spielkonsolen. Das erste Mal in meinem Leben habe ich einen Nachteil davon, dass ich meine Pubertät nicht zockend im Keller verbracht habe. Auch mit Unterstützung der netten Standbetreuerin, die mir kurioserweise Anweisungen ins Ohr raunt, wie ich meinen Avatar noch besser befriedigen könnte, wird es nicht besser. Nach ein paar weiteren ungeschickten Versuchen, die Pobacken von Frau Sims zum Wackeln zu bringen, ihre Brüste und ihren Rücken zu streicheln oder sie dazu zu bekommen, sich wieder im richtigen Rhythmus zu bewegen, gebe ich schließlich auf. So recht will mich der Porno nicht unterhalten, das Erotikniveau bleibt auf Stufe mild.

Stattdessen unterhalte ich mich lieber noch ein bisschen mit dem Standpersonal. Wie der Porno in der praktischen Umsetzung funktionieren soll, wenn beide Hände eine Konsole halten? Fortgeschrittene Spieler würden auch mit nur einer Konsole zurechtkommen, erklärt mir Philipp aus dem Marketing zwinkernd. Die zweite Hand stehe dann zur freien Verfügung. Schön und gut, allerdings müssen die Inhalte noch weitaus ansprechender werden, damit ich überhaupt das Bedürfnis verspüre, die zweite Hand zum Einsatz zu bringen.

Mein Fazit: Für eine schnelle Masturbationseinlage eher ungeeignet, doch wer eine witzige Kombination aus Computerspiel und expliziten Inhalten sucht, hat hier vielleicht das Richtige gefunden. Wenn aber das der Sex der Zukunft sein soll, möchte ich den Geschmack der Gegenwart noch so lange wie möglich auskosten.

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