Offene Beziehung

10 Fragen, die Sie sich und Ihrem Partner stellen sollten.

Etwa 97 Prozent der Männer und Frauen, die im deutschsprachigen Raum eine Partnerschaft eingehen, erwarten vom Partner Treue, doch jeder Zweite bricht sie – ob bei einem heimlichen Seitensprung oder einer Langzeitaffäre. Und das Internet ist mittlerweile auf Platz zwei der Orte vorgerückt, über die neue heimliche Seitensprünge gefunden werden. Bereits jeder fünfte Seitenspringer sucht online nach diskreten Bettbekanntschaften, zum Beispiel über Dating-Portale, fand die Seitensprung-Fibel, der führende Online-Ratgeber zum Thema Seitensprung, in einer repräsentativen Online-Umfrage unter 1.224 Teilnehmern, heraus.

 

Text: Tabea Sommer
Fotos: adzicnatasa/stock.adobe.com

In einer Beziehung sein und gleichzeitig andere daten? Das klingt für manchen paradiesisch. Wer jetzt aber denkt, eine offene Beziehung ist ein Freifahrtschein für Sex außerhalb der Beziehung, der täuscht sich.

Unsere Gesellschaft, die Filmwelt und auch die Belletristik sind hauptsächlich auf die Monogamie ausgerichtet. Auch unsere Eltern haben uns in der Regel dieses Modell vorgelebt. Doch wie soll eine Beziehung laufen, wenn sie nicht monogam sein soll? Die erste Frage, die zu klären ist, ist die, wie offen die Beziehung prinzipiell sein sollte. Eine offene Beziehung bedeutet eine rein sexuelle Öffnung für andere, die Beziehung bleibt also bestehen, aber die Sexualität darf mit anderen ausgelebt werden. Nicht zu verwechseln mit der Polyamorie, hier liebt man mit dem Einverständnis des Partners mehrere Partner zur gleichen Zeit.

Voraussetzung, dass eine offene Beziehung gewagt werden kann, ist, dass dies auch beide wollen. Sobald sich einer dabei nicht wohlfühlt, muss er umgehend das STOPP-Schild zücken. Stellt sich später heraus, dass doch nur einer eine offene Beziehung wollte, handelt es sich um eine pseudo-monogame Beziehung. Einseitige Öffnungen können schlimmstenfalls zu Trennungen führen. Es gibt nicht DIE eine genormte offene Beziehung, denn jede Beziehung ist so individuell wie die jeweiligen Beziehungspartner. Und jedes Paar legt seine eigenen Regeln fest.

Es gibt viele Gründe, eine offene Beziehung zu führen

Wer schon auf den Geschmack in Sachen offene Beziehung gekommen ist und eine neue Beziehung eingehen möchte, tastet seine Ambitionen in der Regel schon beim Kennenlernen ab. Das ist die „einfache“ Version, da so jeder von Anfang an weiß, was Sache ist.


Ist in einer langjährigen Partnerschaft die Erotik etwas eingeschlafen, möchten vielleicht beide für einen abgesprochenen Zeitraum durch eine offene Beziehung etwas frischen Wind ins Sexleben bringen. Gelingt das, wird in vielen Fällen die offene Beziehung im Anschluss wieder geschlossen.

Möchte ein Partnerteil keinen oder weniger Sex als der andere, dann kann dieser dem Partner die „Erlaubnis“ für gelegentliche Abenteuer geben. Auch dafür ist eine offene Beziehung gut geeignet.

Auch Fernbeziehungen können sich öffnen, je nachdem wie oft man sich sehen kann beziehungsweise wie groß die Entfernung zwischen beiden ist.

Wenn Sie mit dem Gedanken an eine offene Beziehung spielen, sollten Sie sich die folgenden zehn Fragen stellen.

  •  Sind Sie in Ihrer Beziehung auf dem Absprung?

Eine offene Beziehung als Zwischenlösung und Sprungbrett für eine Trennung ist unfair dem Partner gegenüber. Hier sollte besser gleich die Trennung vollzogen werden, so wird auch niemand unnötig verletzt. Diese Beziehungsform kann nur dann funktionieren, wenn sich das Paar vertraut und es bei keinem zu Trennungsgedanken führt.

  •  Sind Sie schnell eifersüchtig?

Die Idee ist, dass wir uns erlauben, andere sexuelle Erfahrungen zu machen. Da stellt sich die Frage: Können beide mit der neuen sexuellen Freiheit umgehen? Wer grundsätzlich zu Eifersucht neigt, wird damit wahrscheinlich nicht glücklich. Bezieht sich die Eifersucht beispielsweise auf Örtlichkeiten oder bestimmte Rituale, die dem Paar vorbehalten sind? Oder ist es die Angst, dass sich der Partner verlieben könnte, die Eifersucht heraufbeschwört? Dann sollte man dies zeitnah ansprechen.

  •  Wie groß ist das Vertrauen in Ihrer Beziehung?

Für offene Beziehungen sind Vertrauen und Ehrlichkeit noch wichtiger als für monogame Partnerschaften. Bedingungsloses Vertrauen darf nicht durch Heimlichkeiten zerstört werden.

  •  Können Sie mit diesem Beziehungsmodell auch nach außen umgehen?

Auch wenn für beide Partner die „Fronten“ geklärt sind, wird das Umfeld damit unter Umständen nicht umgehen können. In diesem Fall ist es wichtig, dass beide zusammenstehen. Die Beziehungsform ist schließlich Privatsache und geht auch die Familie nichts an.

  •  Steckt Ihre Beziehung gerade in einer Krise?

Wer einer offenen Beziehung nur deshalb zustimmt, weil er Angst hat, der andere könnte sonst gehen, ist nicht gut beraten. Wackelt die Partnerschaft und verspürt man keine Sicherheit mehr, können Verlustängste auftreten. Diese müssen vordergründig behandelt werden, eventuell auch therapeutisch.

  •  Haben Sie sich schon über offene Beziehungen informiert?

Natürlich gibt viele Erfahrungsberichte über offene Beziehungen. In manchen Punkten können diese hilfreich sein, zumindest als Orientierung. Doch wenn es ums Glücklichsein geht, müssen Sie Ihren eigenen Weg finden. Offene Beziehungen bieten viel Spielraum. Tun Sie das, was sich für Sie richtig anfühlt.

  •  Können Sie sich eine Probezeit vorstellen?

Wenn beide noch keine Erfahrung mit einer offenen Beziehung haben, kann es sinnvoll sein, eine Art Probezeit zu vereinbaren. Anschließend können beide darüber beraten, ob sie dabeibleiben wollen oder diese Form doch nicht zu ihnen passt.

  •  Können Sie Liebe und Sex trennen?

Die Hauptbeziehung ist immer erstrangig und Sex mit anderen sollte auf eine rein körperliche Ebene gestellt werden. Eine offene Beziehung spielt mit Freiraum und Einschränkung. Sex muss von Liebe getrennt werden, so die Vorstellung. Doch auch wer sich das vornimmt, kann feststellen, dass es ihm nicht gelingt.

  •  Wie halten Sie es mit der Ehrlichkeit?

Ehrlichkeit ist bei dieser Beziehungsform unabdingbar. Wenn der Partner bestimmte Dinge wissen will, sollte hier auch wahrheitsgemäß geantwortet werden. Hierbei sollte sich jeder Gedanken darüber machen, wie viel er erfahren möchte. Wer also wissen möchte, mit wem der andere im Bett war, muss mit dieser Information auch umgehen können.

Das gilt übrigens auch gegenüber den Partnern, mit denen man außerhalb der Beziehung Sex hat. Diese müssen wissen, woran sie sind, zum Beispiel, dass die Hauptbeziehung nicht zur Diskussion steht. Es handelt sich schließlich nicht um eine heimliche Affäre, sondern es herrscht zwischen dem Paar absolute Offenheit. Heimlichkeiten sind somit ein No-Go.

  •  Können Sie Regeln konsequent einhalten?

Regeln sind wichtig und können vor ungewollten Verletzungen schützen. Dazu müssen sie aber konsequent eingehalten werden. Hilfreich kann auch ein Veto-Recht sein, das der andere dann auch respektieren und beachten muss.

Solche Vereinbarungen können zum Beispiel sein, dass gemeinsame Bekannte grundsätzlich tabu im Rahmen der offenen Beziehung sind, die eigene Wohnung oder das Wohnviertel ebenso, der Kontakt nur einmalig sein sollte (um die Gefahr des Verliebens zu verringern), eine Übernachtung oder auch mal ein verlängertes Wochenende drin ist, gemeinsame Lieblingsplätze zu meiden oder ähnliches.

Diese Beziehungsform erfordert viel Kommunikation und regelmäßige „Bestandsaufnahmen“, um zu wissen, wie es beiden gefühlsmäßig geht, aber auch um Regeln eventuell nachzubessern.

Variationen von offenen Beziehungen

Für Fernbeziehungen bietet sich diese Beziehungsform häufig auch an, denn hier fehlt den meisten eindeutig der Sex. Wenn Paare, während sie „getrennt“ sind, in sexueller Abstinenz leben, kann beim Wiedersehen durch die hohen gegenseitigen Erwartungen großer Druck entstehen. Wenn man diese Erwartungen dann nämlich nicht erfüllen kann, weil Erschöpfung von der Woche oder Müdigkeit von der Reise ausbremsen, kann das bei beiden schnell zu Enttäuschung führen. Erlauben sich Paare sexuelle Kontakte auch außerhalb der Beziehung, steht beim Wiedersehen die Sexualität vielleicht nicht ganz so ausgeprägt im Vordergrund.

Genauso ist auch die Variante denkbar, sich getrennt Urlaub zu gönnen, in dem dann auch ein auf diese Zeit begrenztes Abenteuer stattfinden darf. Wer die sexuelle Offenheit und Fantasien gemeinsam ausleben möchte, kann sich natürlich auch auf Fetisch-Partys ausleben oder Swinger Clubs besuchen.

Eine offene Beziehung kann eine Chance sein, passt jedoch nicht zu jedem

Für ein Paar, das in der Lage ist, Wünsche und Gefühle offen miteinander auszutauschen, die notwendigen, selbst aufgestellten Regeln einzuhalten, und dem die sexuelle Exklusivität nicht so wichtig ist, kann diese Beziehungsform tatsächlich stabiler sein als eine, in der die Kommunikation zum Erliegen gekommen ist und es auch keine Wertschätzung mehr gibt. Eine monogame Beziehung in eine offene zu verwandeln, ist sicher keine leichte Aufgabe, kann aber eine große Chance für beide sein. Und wenn es gar nicht klappt, lautet die Devise: Zurück zur Monogamie – oder im Zweifelsfall eben Trennung. In jedem Fall aber sind Sie um eine Erfahrung reicher und wissen für die Zukunft, was Sie in Ihrem Beziehungsleben wollen beziehungsweise nicht wollen.

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