Homemade Porn

Wie drehe ich meinen eigenen Erotikfilm? Eine Anleitung von der Expertin für stilvolle Pornografie Erika Lust.

Sind Sie unzufrieden mit dem verfügbaren Pornoangebot? Möchten Sie gern einmal einen Erotikfilm sehen, der Sie wirklich anspricht? Einen, in dem Sie sich wiedererkennen oder vielleicht sogar selbst mitspielen? Sind Sie gelangweilt von immer gleichen Plots und Einstellungen? Haben Sie Lust, selbst einen XXX-Film zu drehen, um Ihren Partner oder Ihre Partnerin zu überraschen und neuen Schwung ins Liebesleben zu bringen oder eine gesellschaftliche Diskussion loszutreten, ihn vielleicht sogar ins Internet zu stellen?

Text: Janina Gatzky
Fotos: Erika Lust Films

Wie drehe ich meinen eigenen Erotikfilm?

Anregende XXX-Liebesfilme selbst zu drehen, ist gar nicht so schwierig. Wer Lust hat, selbst die ersten Schritte in diesem Metier zu wagen oder vielleicht sogar groß herauskommen möchte, sollte bei Erika Lust – der Name ist Programm – in die Schule gehen. Die junge Schwedin, die Politikwissenschaften studiert hat, ist heute weltbekannt für ihre frauentauglichen Pornos. Auslöser für ihren Weg in die Pornobranche war ihre eigene Unzufriedenheit mit der mangelnden Phantasie und den sich ständig wiederholenden Klischees der XXX-Industrie. Sie wollte die Filme, die in ihrem Kopfkino liefen, auf die große Leinwand bringen: ansprechende Ästhetik, reale Handlungen und Charaktere mit echten Gefühlen. Entstanden ist dabei ein Kino mit einem femininen Touch und mittlerweile ein einträgliches Geschäft. Denn Frauen schauen auch gern Pornos.

Ihre Leidenschaft für ästhetische Pornos teilt die Autorin und Erotik-Regisseurin gern. Deshalb hat sie ein praktisches How-to für die eigene kleine oder auch größere Pornoproduktion geschrieben. Eine Kurzanleitung und ein paar hilfreiche Tipps gibt es gleich hier:

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Schreiben Sie Ideen gleich auf und entwickeln Sie Charaktere und Handlung auf Papier:

  • Wer sind die Akteure in Ihrem Film und warum haben sie Sex?

  • Welche Charaktereigenschaften haben sie und was zeichnet sie sonst noch aus?

  • Machen Sie für den Dreh ein Storyboard mit Skizzen zu den einzelnen Shots.

 

  • Die Geschichte

Ein guter Film lebt von einem guten Drehbuch. In diesem Fall sind die Drehbuchautorin Sie! Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und trauen Sie sich, das, was schon lange in Ihrem Kopf herumgeistert oder Sie schon immer einmal ausprobieren wollten, filmisch umzusetzen. Lassen Sie sich von Ihrer Umwelt inspirieren oder stellen Sie gängige Pornoklischees auf den Kopf. Welche Frau fühlt sich nicht von einem lustvoll stöhnenden Mann erregt.

  • Die Akteure

Wer soll in Ihrem Film mitspielen? Sind Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin die Hauptdarsteller? Leute aus dem Freundeskreis mit Sinn für erotische Experimente oder echte Pornodarsteller (wenn Sie groß herauskommen wollen) oder doch „nur“ ein Lieblingstoy? Beachten Sie in jedem Fall, dass die Darstellerinnen und Darsteller freiwillig mitmachen und volljährig sind. Lassen Sie sich ggf. eine Genehmigung unterschreiben, dass Sie das Filmmaterial benutzen dürfen. Wenn Sie mit Fremden arbeiten, sollten zudem Testergebnisse für HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten vorliegen. Auch die Kondomfrage ist vorab zu klären.

  • Technik

Früher waren Kameras teuer und wurden für langatmige, verwackelte Urlaubs-, Kinder- und Hochzeitsvideos missbraucht. Heute verfügt jedes Smartphone über eine vergleichsweise hochwertige Digitalkamera. Mit Fotoapparaten kann man heutzutage auch Filme drehen. Und die optische Qualität wird ständig besser, ohne dass die Geräte notgedrungen teurer werden. Einen Computer und entsprechende Software hat mittlerweile auch fast jeder zu Hause. Technisch steht Ihrem Weg in die XXX-Filmerei also nichts mehr im Wege.

  • Etwas Farbe bitte

In Amateurpornos dominiert häufig eine Farbe: ein leblos-langweiliges Beigegrau. Mit kräftigen, klaren Farben hauchen Sie Ihrem Film Leben ein: ob farbenfrohe Wände, grünes Gras oder bunte Laken. Etwas Mut zur Farbe zahlt sich aus.

  • Licht

Das schönste Licht ist immer noch natürliches Tageslicht. Filmen Sie immer mit ausreichend Licht. Mit Bearbeitungsprogrammen kann man vieles ändern und retten, nur nicht einen unterbelichteten Film.

Wenn Sie künstliches Licht verwenden, achten Sie unbedingt vorher darauf, welche (Haut-)Farbe die Beleuchtung erzeugt. Je nach Farbtemperatur der Lampe dominiert eine andere Farbe im Spektrum und kann teigig blasse, bläulich-grüne oder sehr rote Töne erzeugen.

  • Location

Bett und Sofa mögen die bequemsten Spielwiesen sein und eigentlich geht es ja um die Handlung. Aber die lebt vielleicht gerade vor einem ungewöhnlichen Hintergrund so richtig auf. Die Leiter am Kirschbaum, die Treppe oder Hängematte können schon helfen, Ihren Film aus der Klischee-Ecke zu holen. Seien Sie allerdings vorsichtig mit öffentlichen Orten. Um dort zu filmen, braucht man eine Genehmigung. Wer ein öffentliches Ärgernis verursacht, macht sich strafbar. Wer in den eigenen vier Wänden bleibt, sollte darauf achten, dass keine Gegenstände im Hintergrund zu sehen sind, die von der Handlung ablenken oder schlichtweg unpassend wirken.

  • Styling, Props und Accessoires

Trashige Dessous wirken billig. Anspruch und Stil kommuniziert man auch über hochwertige Lingerie, Qualitätsspielzeug oder andere edle Requisiten, die in Ihrem Film zum Einsatz kommen sollen. Natürlich sollten sie parat sein, wenn die Klappe fällt. Auch etwas Make-up und Haarstyling schaden für den Dreh nicht. Übrigens auch solche Kleinigkeiten wie Gleitgel und Kondome vorher nicht vergessen.

  • Perspektivwechsel

Nichts ist langweiliger als ein Film, der die Handlung aus nur einer Perspektive zeigt. Scheuen Sie sich nicht, eine Szene aus verschiedenen Blickwinkeln zu filmen und immer wieder auch nah an das Geschehen heranzugehen. Manchmal sagt ein lustvoller Blick oder ein in Ektase verzogenes Gesicht mehr als 1000 Stöße.

  • Post-Production

Wenn Sie die Bilder erst einmal im Kasten haben, geht es an die Feinarbeit. Der eigentliche Film entsteht am Schneidetisch bzw. am Computer. Etwas Musik wird Ihrem Film gut tun. Im Internet gibt es digitale Musikbibliotheken, wo man Musik lizenzfrei herunterladen kann. Wenn Sie neu im Metier sind, suchen Sie sich Unterstützung oder weiterführende Literatur.

  • Spaß haben

Genießen Sie die Arbeit: ob als Darstellerin oder Regisseurin. Hier entsteht Ihr Film! Ihre Leidenschaft, Begeisterung und Freude wird man im Endprodukt sehen.

  • Ab in die Öffentlichkeit?

Ihr XXX-Werk ist fertig! Wenn Sie es nicht nur in trauter Zweisamkeit genießen wollen, sondern mit vielen Menschen teilen, gibt es im Internet verschiedenste Websites wie yuvutu, redtube, youporn, xtube oder pornotube, wo man Eigenproduktionen hochladen kann. Wer echte Ambitionen im Filmbereich hat, kann sein Glück auch auf vimeo und dailymotion versuchen.

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Einschlägige Sicherheitstipps von der Expertin:

  • Wenn Sie nicht wollen, dass explizite Aufnahmen von Ihnen im Internet landen, lassen Sie die Finger von Webcams, Skype, Facetime etc.

  • Stellen Sie sicher, dass nur Sie über die Filmdateien verfügen und Sie diese an einem sicheren Ort aufbewahren. Ein Ex, der über die Datei verfügt, kann aus Rachelust unangenehm werden.

  • Schützen Sie Ihre Dateien mit einem Passwort.

  • Lassen Sie die Finger von einer Kamera, wenn Sie zu viel getrunken oder Drogen genommen haben.

  • Zeigen Sie ggf. nicht Ihr Gesicht im Film, sondern finden Sie einen kreativen Ausweg, wenn Sie niemand erkennen soll. Wie wäre es mit einer Maske?

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Wer noch viel mehr Ideen, Anregungen und Tipps für die eigene Pornoproduktion sucht, der kann die ausführliche Anleitung von Erika Lust „Let’s make a porno“ als kostenloses ebook (auf Englisch) unter www.erikalust.com/de/books im Internet herunterladen.

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