Die Lust der Anderen

Am Rande vom Spreewald liegt das von außen unschuldig anmutende Schloss Milkersdorf, in dem an den Wochenenden prickelnde Erotikparties steigen. Unsere Redakteurin hat den mondänen Swingerclub mit ihrem Mann besucht und lässt uns an ihren Erlebnissen teilhaben.

Neugier ist der Anfang allen Abenteuers. Wie es in einem Swingerclub wohl zugeht und ob da wirklich alle so viel hedonistischer und wilder sind als man selbst, haben sich sicher schon viele gefragt. Mein Mann und ich haben eine „Erotische Schlossnacht“ auf Schloss Milkersdorf besucht und es in Erfahrung gebracht.

 

Text: Ruth Batella
Fotos: PR Schloss Milkersdorf

Wir fahren in den Spreewald. Diesmal allerdings nicht zum Paddeln. Mein Mann und ich sitzen heute allein im Auto, auf dem Rücksitz nur ein paar Kleinigkeiten und am Fenster der Bügel mit unserer Abendgarderobe. Zuerst steuern wir das Dorf an, in dem unsere Unterkunft liegt. Das Häuschen ist gemütlich und liegt bildschön, es ist beinahe schade, dass wir kaum Zeit darin verbringen werden. Während mein Mann duscht, werfe ich mich schon mal in Schale. Ein kritischer Moment. Ob wir es schaffen werden, das Haus zu verlassen? Wir hatten schon Schwierigkeiten, am Nachmittag aus dem Bett zu kommen, in das wir vor übereifriger Fantasie nach der Arbeit noch schnell springen mussten. Zum Glück haben wir das Taxi schon vor dem Umziehen bestellt, sodass wir nicht allzu detailliert abschweifen können.

Bei der Ankunft im Schloss sind wir aufgeregt wie zwei geschüttelte Brauseflaschen. Das Schloss, eigentlich eher ein gediegenes Gutshaus, ist romantisch erleuchtet, neben der kleinen Freitreppe brennt ein Feuer. Vor uns steigt ein anderes Paar die Stufen hinauf. Er trägt einen hellgrauen Anzug, sie ein kurzes Abendkleid unter dem Mantel. Sie könnten auch ins Theater gehen. Während die beiden sich anmelden, haben wir kurz Zeit, uns im Foyer umzusehen. Überall hängen alte Bilder an der Wand, schwere dunkle Möbel und eiserne Kerzenständer stehen an den Wänden. Wir bekommen einen Schlüssel für das Schließfach, in dem wir unsere Jacken und Wertsachen einschließen können. Dann gibt es einen Sekt und, weil wir Erstbesucher sind, eine kleine Einführung. Ebenerdig befinden sich zwei große Haupträume: das Kaminzimmer mit grünen Wänden und weinroten Ledersofas und der Raum mit dem Barbetrieb, in dem auch das Buffet steht und die Gäste speisen. Für Raucher gibt es außerdem einen sich direkt am Hinterausgang anschließenden beheizten Pavillon. Im Kaminzimmer wird paar- oder grüppchenweise parliert, die meisten Gäste sitzen aber noch im Barraum an kleinen hohen Tischen und essen. Es läuft gedämpfte Lounge Musik, die Gäste sind elegant gekleidet. Bisher lässt nichts den tieferen Zweck der Veranstaltung vermuten. Bis hierhin könnte man glatt seine Eltern mit hernehmen. „Das ist aber hübsch hier. Und endlich hat der Junge mal was Ordentliches an, nicht immer nur Jeans und Pullover.“

Wir setzen uns zu einem anderen Paar an den Tisch. Sie sind Mitte vierzig wie wir und extra quer durch Deutschland angereist, schon zum vierten Mal, wirken aber überhaupt nicht wie Hedonisten. Im echten Leben haben sie Haus und Hof und zu viel Arbeit und kaum Zeit für sich selbst, klingt aus ihren Erzählungen heraus. Mit so einem Abend gönnen sie sich eben ab uns zu mal was Aufregendes. Mein Mann und ich gehen nach dem leckeren Essen und den ersten Drinks auf Entdeckungstour. Im flachen gewölbten Untergeschoss liegen Sauna, Duschen und Whirlpool, flankiert von rot bezogenen Liegewiesen. Es ist noch niemand hier. Wir genießen ein paar Momente lang unsere Zweisamkeit und teilen unter kichern und küssen unsere ersten Eindrücke. Wir sind nicht wirklich darauf aus, mit anderen sexuell aktiv zu werden, wir wollen eher erstmal das Ambiente auf uns wirken lassen, zusehen was die anderen so treiben, und unter den Blicken der anderen zu zweit miteinander spielen. Wir haben abgesprochen, an diesem Abend nicht mit anderen zu vögeln oder zu knutschen, aber anfassen oder anfassen lassen von Brüsten, Hintern und Genitalien wäre okay, falls sich die Situation doch ergäbe. Für den Fall dass einer von uns etwas tut, das dem anderen unbehaglich ist, haben wir den Griff an den Ellbogen vereinbart. Dann muss niemand sich oder dem anderen eine Blöße geben und die Situation kann diskret beendet werden. Wir gehen wieder hinauf ins Kaminzimmer, das inzwischen voll ist. Alleine vögeln können wir ja auch zu Hause. Wir setzen uns auf einen großen Hocker vor dem Feuer und lassen unsere Sinnlichkeit von uns Besitz ergreifen. Wir sind noch vom unvollendeten Nachmittag aufgeheizt, und der besondere Reiz der Situation liegt daran, dass alle um uns herum noch brav Konversation betreiben. Niemand außer uns knutscht oder fummelt, das eine oder andere Paar beobachtet uns aber, merken wir aus den Augenwinkeln. Da wir nicht wissen, ob weiterführende Aktivitäten im Erdgeschoss erwünscht sind oder ob das Kaminzimmer ein unbescholtener Rückzugsort sein soll, gehen wir schließlich hinauf in die Vergnügungsetage.

Der obere Raum, in den die Treppe mündet, birgt diverse verschnörkelte Sofas und Sessel, ein kurioses Sexmöbelstück, das sich mir nicht sofort erschließt und ein aus grobem Holz gezimmertes Kreuz mit diversen Spielmöglichkeiten. Von dem Raum gehen diverse weitere ab, im ersten Moment meint man sich zu verlaufen, aber so kompliziert ist es dann doch nicht. Es gibt verschiedene Räume oder Nischen mit rot bezogenen Spielwiesen, eine Nacktsuite, einen Darkroom und einen mit Glory Holes, auch ein kleines abschließbares Séparée für ganz ungestörte Momente. Daneben gibt es Fächer zur Ablage von weiterer Kleidung und in jedem Raum liegen stapelweise Handtücher zum Unterlegen. Auch Kondome und Gleitgelspender stehen an strategisch günstigen Punkten. Wir entscheiden uns für eine große Polsterfläche mit einem Spiegel schräg an der Wand. Von unserer Position aus können wir außerdem das Holzkreuz nebenan sehen.

 
 

Wie sich der Abend weiter entwickelte lesen Sie in Séparée No.19.

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