Text: Franziska Stawitz, Foto: Maridav/stock.adobe.com
Mit halbem Herzen unterwegs
Wer heutzutage mit Hilfe von Apps datet, der kann Geschichten erzählen. Ach, was sage ich, ganze Romane schreiben. „Lust auf Frühstückssex?“ oder „Wie hast du es gern?“ Hach, ganz ehrlich: Ich stehe erst einmal auf ein solides „Guten Tag“ oder meinetwegen auch ein „Hey“ oder „Hallo“, wenn danach noch ein ganzer Satz kommt. Ich erinnere mich nicht gern an die Phase zurück, in der ich mich wochenweise bei verschiedenen Dating-Apps an- und meist auch schnell wieder abgemeldet habe. Und ja, ich habe zumindest alle kostenfreien Portale ausprobiert, darunter auch ein Sex-Portal und keinen wirklichen Unterschied festgestellt. Diese Zeit war gepflastert von merkwürdigen Begegnungen und Überlegungen, wie ich aus der Nummer schnell wieder rauskomme, wenn es dann doch einmal zu einem Date kam. Das, was sich noch beim Schreiben so stimmig angefühlt hatte, entpuppte sich mehrfach als Reinfall. Da sitzt man im Restaurant und fragt sich am Ende, ob das derselbe Mensch ist, mit dem man vorgestern noch innige Nachrichten ausgetauscht hat.
Auch Autor Michael Nast, der vor zehn Jahren mit seinem Buch „Generation Beziehungsunfähig“ einen Bestseller landete, hat beim Dating nicht nur einmal auf – gut deutsch – in den Schiettopf gegriffen. In seinem aktuellen Buch „Generation Dating Burnout“ (Piper Verlag) spricht er über schlechte Erfahrungen, Bindungsängste, Verletzungen und über sein persönliches Dating-Burnout: „Selbst, wenn ich eine Frau sehe, die ich wirklich attraktiv finde, bei der ich vor anderthalb Jahren gesagt hätte, ja, das lohnt sich, sehe ich nur Probleme. Ich leide nicht darunter, sondern ich habe einfach keine Hoffnung, dass das was wird mit uns. Ich sehe nur das Ende. Ich habe so viele schlechte Erfahrungen gemacht und war auch eine schlechte Erfahrung, sodass ich automatisch auf alle zukünftigen Erfahrungen schließe.“
Das geht den Menschen wie den Leuten. Michael Nast ist in guter Gesellschaft. Sein Buch spiegelt nicht nur seine eigenen Erfahrungen wider, sondern trifft anscheinend den Nerv der Zeit. Dating macht müde, laugt aus. Fühlt sich ein bisschen so an wie der schrumpelige Luftballon in der Ecke ein paar Tage nach dem letzten Kindergeburtstag.
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Warum das Dating-Leben heute so schwer ist, was Bindungsstile damit zu tun haben und wie man damit umgehen kann, lesen Sie in Séparée No.49
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