Bumsen statt ballern – Sex mit der KI

Über das 2019 lancierte japanische Computerspiel AI Syoujyo (KI Mädchen) lässt sich streiten. Und das haben mein Mann und ich auch getan. So herrlich kontrovers haben wir lange nicht mehr diskutiert. Dabei haben wir einige Dinge neu entdeckt und dem Lockdown ein paar unerwartete Höhepunkte abgetrotzt.

Text: Antonia Hildebrandt
Fotos: AI Syoujyo

Der letzte Winter war lang. Mein Mann und ich, wir hatten uns aufs Land zurückgezogen, denn arbeiten durften wir in unseren künstlerischen Berufen eh nicht, auch nicht ausgehen, feiern oder sonstwie in die urbane Öffentlichkeit. Da saßen wir also in der Dunkelheit des Winters. Zum Glück hatten wir Strom. Mein Mann klaute also Autos und fuhr sie zu Schrott, pflügte unzählige Äcker, bezwang Wölfe und krempelte Rebellencamps um.

Hin und wieder ging ich, kaum einen Blick auf seinen Bildschirm werfend, an ihm vorbei, um ihm einen Kuss zu geben und mich anschließend wieder meinen Interessen zu widmen. Irgendwann blieb ich neben ihm stehen. Plötzlich kein Ballern und Motorengedröhn mehr, sondern liebliche Stille und auf seinem Monitor ein ganz anderes Bild: ein vom Mangalook inspiriertes Mädchen auf einer tropischen Insel. Rechts und links Fenster mit Einstellungen. Ein Sexspiel, stellte sich nach anfänglich schamhafter Erklärung meines Mannes heraus. Immerhin besser als ständig Gegner abzuknallen oder den uffzigsten Acker zu bestellen, da hatte er schon recht. Die Pandemie ging ja schon neun Monate.

Ich begann, gelegentlich zuzusehen, wie er sich in die Sexspielwelt einzuarbeiten begann. Es war wirklich interessant zu sehen, wo es – teilweise sehr aufschlussreiche – Parallelen zur Realität gab und wo die Programmierer sich ihre feuchten Träume erfüllt hatten, ohne allzu sehr auf die Wirklichkeit Rücksicht zu nehmen.

Der Spieler – leider ist das Spiel aus heterosexueller Männersicht konzipiert – lebt auf einer ansonsten unbewohnten tropischen Insel und erstellt sich bis zu vier Gespielinnen, um die er sich dann kümmert: sie kleidet, nährt, ihnen ein Haus baut, ihre Persönlichkeiten entwickelt und sie pflegt, wenn sie krank werden. Wenn man nett genug zu ihnen ist, willigen sie ein, Sex zu haben. Später, wenn die Bots weiterentwickelt und gut versorgt sind, kommen sie auch von selbst und bitten um Sex.

Zunächst baut der Spieler sich also einen, oder mehrere (ausschließlich weibliche) Bots. Leider ist es so gut wie unmöglich, den Mädchen ein halbwegs erwachsenes Aussehen (also irgendwas über 20) zu geben. Die Option auf Gesichtsfalten gibt es natürlich nicht, aber immerhin kann man Farbe und Textur der Haut und die Festigkeit der Brüste verändern. Sehr befremdlich fand ich, dass Schambehaarung nicht unter Körperbau sondern Accessoires zu finden ist. Auch die Vulva ist in der Basisversion einfach nur ein Schlitz, und erst mittels einer zusätzlichen Modifikation kann man den Bots eine naturnahe Vulva geben.

Zur Entwicklung der Persönlichkeit der Bots gibt es Feature Karten, Durch diese ist es zum Beispiel möglich, passive, schmerzaffine Bots zu bauen oder welche, die gern und viel die sanitären Einrichtungen benutzen. Oder Bots mit dem Dominatrix Feature, die sich auch mal Sex nehmen ohne zu fragen.

Den Bots steht ein enormes Arsenal an Kleidung zur Vefügung, auch dieses geboren aus feuchten Männerträumen. Leider regnet es auf der Insel häufig und wird dann auch schon mal kalt, sodass die Damen sich leicht einen Schnupfen holen, wenn sie dauernd halbnackt herumlaufen. Das reduziert dann ihre Vögelbereitschaft und man muss Medizin herstellen und sie genund pflegen.

Die Bots, die schließlich über eine selbstlernende künstliche Intelligenz verfügen (sollen), entwickeln natürlich ein Eigenleben und können sich unter anderem auch selbst anziehen. Aber aller Anfang ist schwer, und so sieht man dann auch mal eine der Mitbewohnerinnen im Dirndl in die Badewanne steigen.

Der Spieler hat verschiedene Optionen, mit seinen Bots zu sprechen, dazu gehören Komplimente, aber auch Befehle und Ratschläge. Denn wo käme das Patriarchat hin, wenn es nicht wenigstens dem Bot die Welt erklären könnte. Allerdings gehorchen die Bots nicht automatisch, wenn sie einen Befehl erhalten, sondern sagen auch einfach mal Nein! (Bravo an die Programmierer dafür!) Ich schlug meinem Mann vor, seinen Bot zunächst zu fragen, wie es ihm geht. Und siehe da, der Bot reagierte sehr positiv und war plötzlich williger, seine Wünsche zu befolgen. Mein Mann, und er ist wirklich sehr höflich und zuvorkommend im echten Leben, war schwer beeindruckt, wie wirkungsvoll sich die einfache Frage „How are you?“ erwies. Na bitte, da kann Mann bei dem Spiel sogar selbst noch was lernen. Merke: Unser Gegenüber hat auch Gefühle, die relevant sind. Diesen Status müssen wir aktiv erfragen.

Der Spieleravatar hat ein Smartphone, auf dem er die Position all seiner Bots sehen kann, sowie deren Vital- und sonstige Werte: Wie hungrig, müde, zufrieden und natürlich wie geil ist der Bot. Bei den Sexszenen gibt es auch eine Anzeige für Lust. Dort kann man sehen, wieviel es noch braucht, bis er und sie jeweils beim Höhepunkt anlangen. Es kann angestrebt werden, gemeinsam zu kommen, das erhöht dann irgendwelche Werte beim Bot. Und es erhöht auch die Chance, dass die geneigte Zuschauerin inspirierter zuschaut. So richtig interessant fand ich nur die Sexszenen, in denen er sie befriedigt, die fand ich oftmals realistisch genug dargestellt. Selber befriedigt werden ist natürlich besser, aber es erwies sich, dass der Weg vom einen zum anderen nicht allzu weit war.

 
 

Das Spiel erfüllt allerdings noch mehr männliche Bedürfnisse, dazu lesen Sie am besten den gesamten Text in Séparée No.29.

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