Text: Mara Stadick und Vivien Schlitter
Foto: PhotographyByMK/stock.adobe.com
Ein Textauszug …
Abstumpfung durch Vibration
Als Sexualtherapeutinnen haben wir in den letzten Jahren immer differenziertere Erfahrungen beim Thema Masturbation sammeln können und hören täglich Berichte von Frauen aus ihrer Masturbationspraxis. Dabei fällt allerdings auf, dass viele Frauen, die nur mit Vibrator masturbieren, auf Dauer immer stärkere Stimulation benötigen und immer weniger dabei empfinden, dass also der Effekt einer gewissen Abstumpfung eintritt. Viele Frauen, die Vibratoren benutzen, scheinen von ihnen abhängig zu sein und leiden darunter, nur dieses eine Erregungsmuster zu haben, das ihre Sexualität einschränkt. Sie haben keine anderen Möglichkeiten zum Orgasmus zu kommen, als über die Vibration.
Wir erklären uns das so: Vibratoren sprechen bestimmte Rezeptoren im Körper an: die Vibrationsrezeptoren, auch Vater-Pacini-Körperchen genannt. Diese Rezeptoren reagieren sehr schnell und stark. Das heißt, diese Empfindung übertönt sozusagen andere mögliche Empfindungen. Man nimmt also vor allem die Vibration wahr und kaum noch anderes.
Außerdem gewöhnen sich die Vibrationsrezeptoren sehr schnell an Reize und werden bei häufiger Reizung schnell unempfindlich. Das heißt: Man spürt immer weniger, probiert es dann vielleicht mit stärkeren Reizen und kann so in eine Spirale der Desensibilisierung geraten, bis die Vulvina irgendwann mit Taubheit reagieren kann.
Orgasmus: Vom Krampf zum Genuss
Wer Erregung nur durch Vibration kennt, hat also wenig Chancen kennenzulernen, wie man noch erregbar ist, weil diese Form der Erregung (und des Orgasmus) punktuell und stark ist. Das ist so, als ob man bisher nur einen Song zu spielen gelernt hat und noch gar nicht weiß, zu welch großartigen Konzerten der Körper in der Lage ist, wenn man lernt, ihn anders zu bespielen. Über verschiedenste Berührungen, aber auch eine bewusste Atmung, neue Bewegungen, den Einsatz der Stimme und anderes, kann man in ganz neue Dimensionen des sexuellen Erlebens eintauchen.
Wir sehen uns also heute in der glücklichen Lage, nicht mehr darum kämpfen zu müssen, dass der Frau überhaupt ein Recht auf Orgasmus zugestanden wird, sondern Menschen darin zu begleiten, ihr orgasmisches Potential voll auszuschöpfen, zu erweitern und langfristig aufrechtzuerhalten.
Und uns ist heute bewusst, dass jeder Körper anders ist! Und das ist gut so! Natürlich können wir nicht für alle sprechen. Es scheint Frauen zu geben, für die der Vibrator eine einfache Möglichkeit ist, sich Erregung zu verschaffen und deren Sensibilität darunter nicht leidet. Das heißt: Wer täglich mit Vibrator masturbiert und damit gut zurechtkommt, wunderbar! Dann einfach weiter so!
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Wie wir unser Nervensystem trainieren, Erregung lernen und ein größeres Orgasmuspotenzial erleben können, lesen Sie in Séparée No.32.
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