Hormonwechsel als Chance

Die Menopause verändert manchmal alles, aber nicht unbedingt (nur) zum Schlechten. Ein Blick in den Taoismus, der sie als positive Wendung sieht, lohnt deshalb auf jeden Fall. Wie Hormonwechsel sich auch auf Partnerschaften auswirken und wie Sex aus dieser Sichtweise neu entdeckt werden kann, beschreibt Stefanie Graul.

Text: Dr. Stefanie Graul, Foto: auremar/stock.adobe.com

 

Vor einigen Jahren fragte ich meine damalige Frauenärztin, wie das so sei mit der Menopause und eben dann mit der Sexualität danach. Ihre Antwort war, das sei ganz einfach: Frauen, die schon immer gerne Sex gehabt hätten, hätten auch weiterhin gerne welchen und bei den Frauen, die sowieso schon immer nicht so viel Lust gehabt hätten, da wäre das dann eine willkommene Ausrede. Ah, dachte ich, wunderbar, dann muss ich mir diesbezüglich mal keine Sorgen machen.

Einige Jahre später weiß ich aufgrund der Arbeit mit zahlreichen Klientinnen und meiner eigenen Erfahrung, dass es so einfach nicht ist. Die Sache ist um ein Vielfaches komplexer.

Ich möchte hier aber nicht mit der nicht enden wollenden Litanei östrogenmangelbedingter Nachteile einsteigen, die wir alle schon sehr oft rezipiert haben, sondern mit einer fernöstlichen, durchaus auch positiven Sichtweise auf die Menopause: Der Taoismus – in seiner sexuellen Spielart im Westen hauptsächlich durch die Bücher Mantak Chias bekannt – geht davon aus, dass Menschen, Frauen wie Männer, mit Körperflüssigkeiten wie Sperma, Schweiß und Menstruationsblut Energie verlieren.

Mantak Chia ist ein in Thailand geborener taoistischer Lehrer chinesischer Abstammung, der in Nord-Thailand in der Nähe von Chang Mai lehrt und heilt. Er hat aus traditioneller chinesischer Medizin, traditionellen Kampfkünsten und Verwendung der Kundalinienergie sein eigenes Lehrsystem geschaffen.

Einfach formuliert, könnte man vielleicht sagen: Energie zirkuliert im Körper und je mehr wir davon haben und je harmonischer sie fließt, ohne Blockaden oder Staus, umso glücklicher fühlen wir uns. So kommen fernöstliche Lehren wie Taoismus, Tantra oder Yoga ganz ohne eine dem westlichen Begriff der Psyche vergleichbare Vorstellung aus.

Und deshalb rät der Taoismus Männern beispielsweise auch zu einer ejakulationsvermeidenden Sexualität, etwas scherzhaft sexual Kung Fu genannt. Denn mit jeder Ejakulation verliert ein Mann bis zu 400 Millionen Spermien – ein enormer Verlust von Zeugungs- bzw. Vitalkraft. So fühlen sich viele Männer eher müde oder traurig, nachdem sie gekommen sind: Post coitum omne animal triste, nach dem Koitus sei jedes Tier, also auch der Mensch, traurig, sagt das lateinische Sprichwort.

Inwiefern der Hormonwechel nun zu einem Neubeginn führen kann, lesen Sie in Séparée No.50

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