Fotos: Nils Neumann, Text: Giulia Rau
Seit ich regelmäßig splitterfasernackt vor Kameras posiere, hat sich die Wahrnehmung meines Körpers um 180° gewendet. Im Ernst! Ich hatte erwartet, kritisch mit mir und somit auch mit den Resultaten zu sein, wie ich es von mir gewohnt war und wie ich es als Frau in der Gesellschaft gelernt habe. Kritisch meinem Körper zu begegnen und nach dem vom Male-Gaze geprägten kommerziellen Körperideal zu streben. Denn darüber ist mein Wert als Frau in dieser Gesellschaft definiert. Doch erdenklich anders ist es dann gekommen.
Ich habe meinen Körper zuvor nicht gehasst oder verabscheut. Mein Körper war kein Ort von Drama. Er war einfach da, hat funktioniert, hat mich durchs Leben getragen. Noch jung, fit, aber irgendwie auch einfach nur durchschnittlich. Weder dick noch dünn, weder groß noch klein, hat keine Faxen gemacht, hat eben einfach funktioniert. Gelegentlich konnte ich meinen Körper auch als schön wahrnehmen, aber dann doch eher selten. Mit diesem Körpergefühl war ich schon an einem vergleichsweise guten Punkt. Und dennoch. Diese Stellen gab es einfach, an denen ich etwas auszusetzen und zu kritisieren hatte, etwas, das es zu verbessern galt – gerade in der Blöße von Nacktheit. Dabei muss man dazu sagen, absurderweise entspreche ich in vielerlei Hinsicht sogar der Norm, dessen bin ich mir bewusst. Insbesondere von außen betrachtet werden Menschen all diese Dinge an mir gar nicht sehen, an denen ich etwas auszusetzen hätte, und sagen, die sieht doch toll aus, was hat sie denn? Doch es geht eben nicht darum, wie nah oder entfernt ich tatsächlich von der Norm bin, denn es schwingt beim Blick auf sich selbst dennoch diese eingetrichterte Kritik mit.
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