Räuberinnen – Märchenhafter Trash

Schrillbunte Anarcho-Sex-Komödie

Text: Ute Gliwa / Fotos: PR

 

Man kann kaum glauben, dass dieser Film in der Schweiz entstand, noch dazu mit öffentlicher Förderung, mit Steuergeldern braver Bürger also, und so wundert es nicht, dass er bei seinem Erscheinen einen mächtigen Skandal verursachte. „Räuberinnen“ ist die pure Anarchie und politisch wundervoll inkorrekt.

Die grobe Rahmenhandlung des skurrilen Märchens ist schnell erzählt: Ein junges Mädchen soll an einen unansehnlichen reichen Kerl verschachert werden. Sie flieht von dessen Schloss und organisiert mit den schillernden Huren aus dem Waldbordell eine emanzipierte Räuberinnen-Bande. Wir blenden gern aus, dass Märchen ursprünglich Geschichten für Erwachsene waren, voller Sex und bis heute noch immer voller Gewalt. Und wir reden hier nicht von Blümchensex, sondern von sadistischen Müttern und perversen Fürsten, bei denen es nicht zimperlich und mit manch einer Gräueltat zuging. Bei Carla Lia Monti ist dieses Märchenrezept allerdings gepaart mit großartigem Humor, der zuweilen an Monty Python erinnert, denn sie spart nicht an vollkommen überzogenen und absurden Szenen und Settings. Als Hintergrund dienen kitschig kolorierte Kulissen wie aus einem Heimatfilm und Wiesen mit künstlichen Blumen. Im mittelalterlichen Schloss tritt ein Sklave den Hometrainer, um Strom für die Kaffeemaschine zu erzeugen. Die intrigante Mutter reitet mit einem vorsintflutlichen Mobiltelefon durch den Wald und mittels einer „Wunderpillen“-Infusion führen sich die Räuberinnen den schönen Jüngling der Handlung zu Gemüte. Alles in allem ein sehr großer Spaß.

Räuberinnen (Schweiz 2009), Regie: Carla Lia Monti, mit Nina Buehlmann und Myriam Muller

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