Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch?

Master André, alias Dominus.Berlin, ist das männliche Gegenstück zu einer Domina: ein Dominus. Seine Kunden sind Frauen und Männer. Uns hat er erzählt, was den Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Kunden ausmacht.

Text: Master André, alias Dominus.Berlin

Master André, alias Dominus.Berlin (43), ist das männliche Gegenstück zu einer Domina: ein Dominus. Der gebürtige Rheinländer arbeitet seit Jahren in den bekanntesten Dominastudios in Deutschland, der Schweiz und Österreich, sowie als Dozent für Themen rund um BDSM. Er gilt als Marktführer in der männlich-dominanten Sexarbeit:

Nach sieben Jahren als Dominus räume ich gern mit Klischees auf, oder bestätige sie, wenn ich entsprechende Erfahrungen gemacht habe. Der Begriff „das schwache Geschlecht“ zum Beispiel basiert sicher auf dem Vergleich von sportlichen Leistungskurven von Männern und Frauen, jedoch sicher nicht auf deren Schmerzempfinden. Hier zucken die Empfänger der Männergrippe schon bei Androhung von schmerzhaften Handlungen zusammen, während manche Frau bei den härtesten Peitschenhieben noch immer im tiefsten Lustmodus verharrt.

„Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch“ – ja, das stimmt, wobei ich glaube, dass es immer auf den Kontext ankommt. Denn wenn das Auto nicht mehr fährt, sagt Frau eben einfach „kaputt“, während der Mann zu einem tiefgreifenden Analysediskurs mit mehreren Kfz-Werkstätten fähig ist. Bei emotional tief gehenden Themen wie zum Beispiel das erste BDSM-Erlebnis genieße ich die Wortakrobatik der Frau in umfangreichen Feedbacks, aber auch das kurz und bündige “War-geil-nächsten-Monat-wieder“ des Mannes.

Mir persönlich ist das „Drumherum“ immer besonders wichtig. Neben vielerlei praktischen Gründen bin ich auch deswegen immer nur in angesagten Dominastudios, weil das Ambiente auf mich immer mitwirkt. Brennen Kerzen? Lauschen wir bei einer Sitzung zur passenden Musik? Der Mann ist hier wirklich nur auf mich fixiert und muss sich bei der Frage nach der Sitzung, wie ihm das Ambiente gefallen hat, erstmal umsehen, um sich die Meinung zu bilden. Die Frau hingegen kann zu meiner Freude die Umgebung emotional fast aufsaugen, denn sie genießt mit allen Sinnen, während der Mann sich auf das Wesentliche konzentriert.

Insbesondere als bisexueller Mann werde oft gefragt, auf was ich denn jetzt mehr stehe: Männer oder Frauen? Ist man schließlich bei Männern nicht gewohnt, dass man(n) sich nicht „einsortiert“. Bei mir gibt es kein Schubladendenken, denn grade in puncto BDSM verfließen Geschlechter für mich vollkommen. Wenn ich spüre, dass mir jemand gibt, was ich brauche, dann ist es unerheblich, ob, was oder gar wieviel da zwischen den Beinen baumelt. Es zählt, bzw. erregt mich die Hingabe eines Menschen. Ist das Gegenüber bereit, sich auf mich, bzw. ein neues Abenteuer einzulassen? Lässt mich das Gegenüber zu? Lässt man mich geschehen? Jedes Mal, wenn ich das „Ja“ spüre, macht mich das an. Was nicht bedeutet, dass ich Geschlechtsidentitäten ignoriere, denn man kann sie auch prima in Spiele einbauen.

Ebenso ist für mich irrelevant, ob das Gegenüber schön oder durchschnittlich attraktiv ist, oder eben keine Blicke auf sich zieht. Wer mich in seine tiefen – und ich meine wirklich tiefen – sexuellen Bedürfnisse einweiht und mir darin einen Platz anbietet, der kann sich meiner Begeisterung sicher sein. Ich will eine intensive Verbindung, auch wenn sie zeitlich begrenzt und monetär vergütet wird. Hier geht es um eine Verbindung zwischen Seelen und der Entwicklung einer ganz eigenen, erotisch-individuellen Geschichte für einen Abend.

www.dominus.berlin

Ein Interview mit Master André über die Kunst der Unterwerfung finden Sie übrigens in Séparée No.18.

 

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