Die Liebe in den Zeiten von Corona – Teil IV

Im vierten Teil unserer Corona-Reihe müssen Bianca und Răzvan ihre Hochzeit verschieben.

Text: Irene Habich

Teil IV Bianca und Răzvan

Auf einer Party hatten Freunde von Bianca ihr Răzvan vorgestellt, im Frühling vor vier Jahren war das. Am nächsten Tag machten die beiden einen Spaziergang um den See. Weiter passierte erst einmal nichts. Sie mochten sich, aber „mehr so wie Freunde“ – so war es zumindest für Bianca. Im Sommer sehen sie sich bei einem Festival wieder, kurz danach bei einem weiteren. Beim zweiten Festival küsst Răzvan Bianca und Bianca lässt sich küssen. Doch mehr von ihm will sie eigentlich nicht. Ihre letzte Beziehung war schwierig, sie zögert, sich auf jemanden einzulassen. Schließlich ändert sie ihre Meinung und ruft Răzvan ein paar Tage später an. Doch nun ist er sich nicht mehr ganz sicher. Bianca ist so wütend, dass sie einen ganzen Monat lang nicht mit ihm spricht. Dann lädt Răzvan Bianca in sein Wochenendhaus in den Bergen ein, es ist der 31. August 2016. Seitdem sind sie zusammen.

Am 31. August 2018 machen die beiden zusammen in Spanien Urlaub und Răzvan hat eine Überraschung vorbereitet. Er lädt Bianca zum Parasailing ein. Mit einem Fallschirm wollen die beiden sich von einem Boot durch die Luft ziehen lassen. Dort oben in der Luft will Răzvan Bianca fragen, ob sie ihn heiraten will. Erst im letzten Moment entscheidet er sich dagegen, aus Angst, der Ring könnte ins Wasser fallen. Den Antrag macht er dann auf dem Boot – und Bianca damit sehr glücklich.

Schon kurze Zeit später beginnt das Paar, die Hochzeit zu planen. Sie finden eine perfekte Location, die meist lange im voraus ausgebucht ist. Bianca und Răzvan reservieren einen Termin für den 16. Mai 2020. Als das Corona-Virus Anfang diesen Jahres beginnt, immer mehr Menschen auf der Welt zu infizieren, steht längst das Programm. Die Trauung soll ein Priester aus Biancas Heimatort vornehmen, den sie von Kindheit an kennt. Die Zeremonie soll aber nicht in der Kirche stattfinden, sondern draußen im Garten. Danach dann die Party, 300 Gäste sind eingeladen. Bianca und Răzvan haben verschiedene Gerichte probiert und das Menü festgelegt. Der Fotograf ist bestellt und jemand, der filmt. Eine Band und ein Saxofonist sind gebucht.

Als Bianca im März nach Bukarest fährt, um ihr Brautkleid zu kaufen, macht sie sich das erste Mal Sorgen. Man sieht jetzt Leute mit Mundschutz – wird die Hochzeit stattfinden können? Mutter und Schwester versuchen, sie zu beruhigen: Es werde schon alles gut gehen. Bianca kauft ein Brautkleid mit feiner Spitze und kunstvoll bestickt, die Handarbeit eines Pariser Modelabels. Dann kommen in Rumänien die ersten Versammlungsverbote. Bianca und Răzvan rufen in dem Lokal an, in dem sie feiern wollen. Man könne noch abwarten, sagen sie dort. Schließlich treten die Ausgangssperren in Kraft, auch der Termin beim Standesamt wird annulliert. Bianca und Răzvan bleibt nichts anderes übrig, als ihre Hochzeitsfeier abzusagen. Sie bekommen einen neuen Termin am gleichen Ort angeboten: Genau ein Jahr später soll es nun sein. So können sich Freunde und Familie wenigstens das Datum gut merken, sagt Bianca. Und sie sagt, sie sei zunächst unendlich traurig gewesen. Dann macht sie Scherze: Bis zum nächsten Jahr darf ich nicht dick werden, damit ich noch ins Hochzeitskleid passe. Tatsächlich schiebt sie nun auch ihre Babypläne ein weiteres Jahr lang auf. Mit der Hochzeit beim Standesamt wollen sie und Răzvan aber nicht bis zum nächsten Jahr warten. Sobald es wieder möglich ist, wollen sie sich ganz offiziell das Ja-Wort geben. Es gehe ihnen aber gar nicht darum, ein Papier in der Hand zu halten, sagt Bianca. Es sei ihnen ganz einfach nur wichtig für ihre Liebe.

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