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Liebeskummer lohnt sich nicht?!

separee
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Ava Beeg

Heute geht’s um Herzschmerz. Herzschmerz und Heilung. Um den Versuch, etwas Zerbrochenes wieder zusammenzufügen – neu und anders. Denn nichts wird mehr so sein, wie es mal war. Das darf Tage und Nächte beweint werden, aber bei aller Dunkelheit gibt’s einen Silberstreif am Horizont. Liebeskummer kann sich lohnen. Wie das gelingt? Unsere Autorin hat ein paar hand- und herzfeste Ideen.

  • Text: Ava Beeg
    Fotos: claudia24_pixabay.com

Liebe Leute, holt die Taschentücher raus. Auch wenn ich mir fest vorgenommen habe, diesen Text nicht zu einem verkitschten Drehbuch für einen Rosamunde-Pilcher-Film werden zu lassen, so kann ich für die Abwesenheit von Pathos und Melancholie nicht garantieren. Wenn es für die Liebe keine großen Worte geben darf, für was dann?! Liebe ist nichts für Feiglinge. All die, die vor tiefen Gefühlen Angst haben, sollten lieber die Finger davonlassen und bei Tinder auf Schnacksel-Schnitzeljagd gehen. Vielleicht ist das ja bald auch eine Option für mich?! Bindungsunfähig bin ich seit der Trennung meines Ex-Freundes allemal. Warum? Ich werde es erzählen:

Ich liebte den Mann an meiner Seite und dieser Mann liebte mich. Wir waren nach zwei Jahren wie frisch verliebt, hatten eine Vertrautheit und Verbundenheit aufgebaut, von der ich in meinen früheren Beziehungen nur träumen konnte. Es war die perfekte Mischung von Harmonie und Diskussion, von Einheit und Freiheit, von Zärtlichkeit und Leidenschaft, von Lachen und Weinen, von Geben und Nehmen, von Du und Ich. Es war zu schön, um wahr zu sein.

Wir fühlten uns beieinander angekommen, suchten nach einem gemeinsamen Haus, sprachen ernsthaft über eine baldige Hochzeit und wünschten uns nach einer Zeit des Reisens und genussvollen Paarseins ein Kind. Marc war die treibende Kraft in der Planung, er ist zehn Jahre älter als ich, und blickte voller Euphorie mit freudestrahlenden Augen in die Zukunft. Warum er mich vergangenen Oktober an einem ganz normalen Dienstagvormittag verließ, mir seinen Wohnungsschlüssel in die Hand drückte und sagte: „Ich muss gehen, ich sehe keine Zukunft mehr. Es liegt nicht an dir, ich liebe dich“, weiß ich bis heute nicht, ich kann nur mutmaßen.

Meine Welt brach zusammen und ich gleich mit. Die ersten Wochen war ich überzeugt, ich würde ohne ihn nicht (über)leben können oder gar wollen. Im Sekundentakt wummerten die Fragen in meinem Kopf: Was ist passiert? Was habe ich falsch gemacht? Was habe ich nicht bemerkt? Was ist los mit ihm?

Ich habe ihm eine SMS geschrieben, die er angeblich nie bekommen hat. Einen Brief geschickt, den er nicht gelesen hat. „Es tut zu weh“, sagte er.

Der Schmerz und die Leere in meinem Kopf breiteten sich im gesamten Körper aus. Die Trauer lastete auf meiner Brust, die Leere fraß sich wie ein hungriges Tier durch meinen Magen. Ich nahm binnen weniger Wochen zehn Kilo ab, Anspannung und Stress brachten Herzrhythmusstörungen mit sich, die mir Panik machten. Tiefpunkt. Alles schwarz. An Schlaf war nicht zu denken. Wenn es gut lief, schlief ich zwei bis drei Stunden pro Nacht. Mich zu konzentrieren und meinen Job zu machen, fiel mir unendlich schwer. Ich weinte die ersten sechs Monate jeden Tag. Hemmungslos und nicht schön anzusehen. Ja, das klingt hochemotional und dramatisch. Das war es auch. Rückblickend weiß ich nicht, wie ich bis zum heutigen Tag gekommen bin. Aber ich bin hier. Dank meiner Familie und meiner Freunde, die mich an keinem Tag haben spüren lassen, dass meine Trauer, meine Fragen und mein Zustand unangemessen oder nervig seien. Jeder einzelne war und ist goldwert – so unterschiedlich ihr Umgang mit mir auch ist.

Marc habe ich in den letzten acht Monaten zwei Mal lang und intensiv gesprochen. Zwischen uns da ist was, da schwingt was in der Luft. Noch immer und immer noch. „Wir können niemals nur Freunde sein“, meint er. Doch wichtiger ist: Was meine Intuition mir flüsterte, bestätigte sich: Marc hatte sich bereits drei Wochen nach unserer Trennung wieder mit seiner Ex zusammengetan, mit der er seit fünfzehn Jahren eine recht unterkühlte, pragmatische und finanziell abhängige On-Off-Beziehung sowohl privat als auch beruflich führt. Wie praktisch, dass ihr, seiner Chefin, jetzt ein Millionenerbe ins Haus steht, oder? Ich konnte mir vorstellen, wie die Geschichte der beiden weitergeht, und mein Bauchgefühl sollte mich auch darin nicht täuschen: Zwei Tage, nachdem mir durch Zufall eine weiße Brieftaube tot vom Himmel in den Garten fiel, heiratete Marc, und ich durfte im Vorbeifahren einen Blick auf das distanzierte Brautpaar werfen. Das wirklich Schlimme ist nämlich, dass Marc und seine alte neue Ex ein paar Häuser weiter wohnen. Ich sehe sie fast täglich. So blieb mir auch die Wölbung unter dem Kleid der Braut nicht verborgen. Am Tag der Hochzeit war seine Frau bereits im vierten Monat schwanger. Wumm. Das sitzt. Besonders, wenn man es von der tratschfreudigen Nachbarin erfährt, die außer einem mitleidigen Blick, pikanten Details und guten Ratschlägen zumindest auch noch ein paar Werther’s Sahnebonbons verteilte. Ich hatte Marc darum gebeten, es mir zu sagen, sollte er Vater werden. Damit ich mich seelisch darauf einstellen kann. Er hat es mir in die Hand versprochen, aber nicht gehalten. Wie so viele Versprechen nicht. Ich musste schmerzlich erkennen, dass der zwei Meter große starke Mann, der sich mir so gebildet, scharfsinnig, loyal, empathisch und sensibel als Fels in der Brandung präsentierte, letztlich ein Fähnchen im Wind war, das bei einem nur lauen Lüftchen die Kontrolle und den Anstand verlor ...

Wie aus dem Herzschmerz Heilung wurde, lesen Sie in Séparée No.18.

 

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