Language
Sie befinden sich hier:

Feuer unter'm Kimono

separee
(Kommentare: 0)
JG / UG

Shungas waren ursprünglich japanische Holzschnitte mit erotischem Inhalt. Das Wort „Shunga“ bedeutet auf Japanisch „Frühlingsbilder“. Wer dabei jedoch nur an blühende Kirschbäume denkt, liegt falsch. „Frühling“ ist im Japanischen ein Euphemismus für Sex. Die „Sexbilder“ – auch als makura-e („Kopfkissenbilder") oder higa („geheime Bilder“) bekannt - sind ein japanisches Kamasutra.

  • Text: JG
    Foto: Japanischer Farbholzschnitt auf Seide um 1900

Die sexuelle Offenheit der Kunstwerke mag überraschen. Zu ihrer Zeit waren sie jedoch alles andere als Porno, sondern eingebettet in eine Kultur, die Sex wesentlich freizügiger und lebensbejahender begegnete als im Westen vorstellbar. Sie waren bei einem breiten Publikum beliebt: vom Stadtbürger über den Verlobten, der sie einer künftigen Braut schenkte, bis hin zum keuschen buddhistischen Mönch, der sich mit der bildlichen Liebe begnügte. Die dargestellten Szenen sind explizit, aber oft von großer Zärtlichkeit durchdrungen, mitunter aber auch lustig und immer ästhetisch. Die Bilder huldigen der Schönheit der Frau und strahlen eine große Sinnlichkeit aus.

Die einstige Popularität der Bilder erfuhr mit der Öffnung Japans gegenüber dem Westen einen jähen Rückgang als westliche Moralvorstellungen einzogen, die dazu führten, dass schließlich um 1910 Herstellung, Vertrieb und Besitz der Grafiken gänzlich unter Strafe gestellt wurden. Daraufhin wurden viele Werke vernichtet. Mit dem Aufstieg amerikanischer und europäischer pornografischer Publikationen in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam die Shunga-Produktion fast völlig zum Erliegen. Bis Ende der achtziger Jahre durften „kritische Stellen“ nicht öffentlich gezeigt werden. Erst seit Mitte der neunziger Jahre geht man wieder freizügiger mit dieser alten Kunst um, die mittlerweile auch im Westen in Ausstellungen und Galerien gezeigt und verkauft wird.

Zurück