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Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste ...

separee
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Michaela Reifeland

Ein flotter Dreier gehört bei den meisten Menschen ins Repertoire erotischer Fantasien, bei vielen steht sie sogar ganz oben auf der Liste: Die doppelte Anzahl Hände, Münder, Schwänze respektive Mösen, das muss doppeltes Vergnügen bedeuten.

  • Text: Michaela Reifeland
    Fotos: tverdohlib/stock.adobe.com

Die Konstellation

 

Fängt man an darüber nachzudenekn, die Fantasie in die Realität umzusetzen, merkt man, dass die Angelegenheit ganz schön komplex ist, denn je nach Konstellation der Teilnehmer kann das Geschehen sich völlig unterschiedlich entwickeln. Ein MMF (Mann-Mann-Frau) Dreieck wird sich vollkommen anders als ein FFM (Frau-Frau-Mann) Dreieck gestalten, und darüber hinaus gibt es ja noch einige andere Geschlechter, die die Sache noch bunter machen können. Auch kommt es darauf an, wie die drei Beteiligten zueinander stehen: Sind alles Fremde, sind es Freunde, ist ein Paar darunter und die dritte Person vertraut oder fremd, ist jemand oder sind alle bisexuell oder gar pansexuell? Spielt bei einem Paar vielleicht auch Eifersucht eine Rolle, oder nimmt jemand aus Rücksicht auf den Partner die eigene Lust zu sehr zurück? Sind drei Unbekannte vielleicht unbefangener miteinander, oder gibt ein Vertrauter in der Runde eher Sicherheit? Würde die Freundschaft den Dreier unbeschadet überstehen?

Der einzige Weg, das beste Modell für sich selbst herauszufinden, ist es, es auszuprobieren, sich vielleicht langsam heranzutasten, denn die Vorlieben und Bedenken liegen bei jedem einzelnen ganz unterschiedlich.

Bei mir zum Beispiel ist ganz eindeutig, dass ich auf Männer stehe und nicht auf Frauen. Beim Küssen macht es mir nichts aus, und auch von einer Frau gefingert oder geleckt zu werden, ist okay. Ich habe auch schon fremde Brüste und Mösen liebkost, aber es macht mich überhaupt nicht an. Wenn ich Lust auf Brüste und Möse habe, dann preferiere ich meine eigenen Attribute, da habe ich wesentlich mehr Spaß bei. Also ist für mich klar, ich möchte den Dreier definitiv mit zwei Männern haben.

Mein Freund hat kein Problem mit dieser Variante, auch wenn er ausschließlich auf Frauen steht. Er findet es reizvoll, wenn ich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehe und nicht er. Eifersucht ist ihm fremd und unverständlich. Die Vorstellung, mich, seine begehrenswerte und angebetete Frau, einem anderen Mann zu präsentieren, macht ihn ziemlich an.

Der Dritte müsste von seiner Auffassung von Sexualität her zu uns passen, überlegen wir, er müsste eine ähnliche Sinnlichkeit besitzen wie wir. Er sollte prozess- und nicht ergebnissorientiert sein. Und kein pur testosterongesteuerter Draufgänger, der übergriffig sein eigenes Ding durchziehen würde, ohne auf uns als Paar zu achten. Mein Freund stellt sich vor, dass er mit dem anderen Mann ein Team zu meiner Verwöhnung bildet, er selbst hätte es in der Hand, den grundlegenden Ton und die Richtung anzugeben, der Dritte würde sich in Tempo und Intensität an ihm orientieren.

 

Die Rekrutierung

 

Als erstes durchforsten wir in Gedanken unseren Freundeskreis, bzw. seinen, denn er will ja mit mir angeben, und bei mir kommt momentan sowieso niemand in Frage. Da gibt es einige, die scharf auf mich und nicht abgeneigt sind, aber einer ist so gar nicht mein Typ, ein zweiter ist gerade im Unreinen mit seiner Frau und muss bedauernd ablehnen und bei einem dritten fürchte ich, den hinterher nicht mehr loszuwerden und womöglich die Freundschaft zu ruinieren.

Also ein Fremder. Wir fangen an, uns langsam an die Auswahl des Dritten heranzutasten. Wenn wir tanzen gehen, stubst mein Freund mich hin und wieder an und deutet auf einen Mann in der Menge. „Wollen wir den mitnehmen?“ Aber mir gefallen die alle nicht. Sie sind zu klein, zu vollbärtig, zu glatzköpfig, zu sehr von sich eingenommen, zu verzweifelt auf der Suche. Mein Freund schüttelt den Kopf, dabei ist mein optisches Beuteschema doch gar nicht so schwer zu durchschauen. Als nächstes bemühen wir die digitale Suche. Wir melden uns jeder bei einer anderen App an und fahnden dort nach unserem künftigen Hausfreund. Wir vereinbaren, dass wir jeder einen potentiellen Kanditaten für ein Kennenlerntreffen herauskristallisieren.

Als erstes kommt es zu der Verabredung mit meinem Vorschlag. Der sieht auch in natura gar nicht so schlecht aus und ist auf den ersten Eindruck ganz angenehm und ich schließe eine Weiterführung für mich nicht grundsätzlich aus. Aber mein Freund findet den unmöglich. Ob mir nicht aufgefallen sei, wie unsicher und unbeholfen er schon dasaß, die Hände fest zwischen seine Schenkel gepresst, und wie leise und nuschelnd er gesprochen hat. Ein armer Kerl, der ihm eher leid tun würde, aber seine Frau würde er sicher nicht mit ihm teilen. Also gut, der nicht.

Am nächsten Abend treffen wir seine Wahl. Sobald der Mann auf uns zu kommt, ist der Abend für mich schon gelaufen. Der Typ ist klein und dicklich und locker zehn Jahre reifer als auf seinen Fotos. Eigentlich hätten wir da sofort gehen können, aber die Höflichkeit verbietet mir den überstürzten Abgang. Ich bin es meinem Freund schuldig, mich trotzdem so wohlwollend wie möglich auf die Situation einzulassen, er hat das am Vorabend ebenso für mich getan. Der Typ ist unglaublich verklemmt und spricht nie einen Satz zu Ende. Ich werde fast wahnsinnig von seinem Unvermögen zu kommunizieren. Und was er sagt, misfällt mir ebenso. Als mein Freund auf der Toilette ist, mache ich reinen Tisch, ich halte es nicht mehr aus. „Sorry, das geht gar nicht.“ Auf dem Heimweg streiten wir uns fast im Auto. Erst ist mein Freund sauer auf mich, weil ich so wählerisch bin und das so nie etwas werden wird. „Hast du seine Wurstfinger gesehen?“, werfe ich entsetzt ein, „Schon bei der Vorstellung, dass er mich damit anfasst, ist mir fast schlecht geworden.“ Auf seine Hände hätte er gar nicht geachtet, erwidert er erstaunt. Dieses Mal schüttele ich den Kopf. Im Laufe unseres Gesprächs gibt mein Freund dann doch etwas widerwillig zu, dass der Typ wohl doch etwas seltsam gewesen sei.

Ich finde das gar nicht so dramatisch, es gibt noch mehr Kandidaten, aber mein Freund hat schon genug. Zwei Typen mit einer Klatsche direkt hintereinander, das ist ihm zu anstrengend. Willkommen in der Realität der Frauen.

 

Der Testlauf

 

Danach liegt das Projekt eine Weile auf Eis. Bis wir auf einer Party einen Freund von Freunden kennenlernen, der uns gleichermaßen sympathisch ist, optisch und charakterlich. Als ich ihn einige Tage später behutsam auf unser Vorhaben ansprechen will, kommt er mir schmunzelnd zuvor, dass er auch schon drüber nachgedacht hätte. Dass wir uns so umkompliziert fast ohne Wort verstehen, ist vielversprechend. Also verabreden wir uns eines lauen Sommerabends mit ihm am städtischen See. Die Sympathie ist auch bei der zweiten Begegnung noch da und wir nehmen ihn mit zu uns, als die Mücken anfangen, über uns herzufallen. Wäre es nach unserem Gast gegangen, hätten wir uns dort erstmal aufs Sofa gesetzt und uns weiter brav unterhalten, aber mein Freund und ich besprechen schnell, dass wir gleich ins Bett gehen würden, damit wir uns nicht wieder nur festquatschen.

...

 

Wie der erste Versuch ausging, welche Szenarien sich noch auftaten, und wie die Autorin und ihr Mann schließlich zum gewünschten Ziel kamen, lesen Sie in Séparée No.23.

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