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Die Fruchtbarkeitsdimension

separee
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Steffi Engelhardt

Was entscheidet über die Empfängnis: die Biologie, der Kopf, die innere Einstellung? Kann man esotherisch verhüten? Oder ist die Fruchtbarkeit am Ende nur eine unberechenbare Schicksalsgöttin?

  • Text: Steffi Engelhardt
    Fotos: ALDECAstudio - Fotolia.com

Es ist Jahre her. Ich lag allein in meinem Zelt. Extra zu einem Tanzfestival nach Fuerteventura gereist, drückte ich mich jetzt vor den meisten Workshops. Ich war erledigt. Meine fordernde, dreijährige Tochter war zum Glück zuhause in guten Händen, und mehr als alles andere brauchte ich Schlaf und Zeit für mich. Im Dämmerzustand hatte ich eine Art Traum: Ich sah einen kleinen, bunten, wilden Garten in sonst karger und wüstenartiger Landschaft. Ich baute dort etwas, steckte Holzpflöcke in den Boden, um den ganzen Garten herum. Dann zog ich einen Metalldraht um die Hölzer. Ich deutete den Garten als Bild für meine Fruchtbarkeit, und ich zog gerade eine Grenze drum herum: Kein weiteres Kind, bis ich den Zaun wieder öffnen würde. Da war ich mir ganz sicher. In der sexuell wilden Zeit, die darauf folgte, bin ich tatsächlich nie schwanger geworden, dabei habe ich oft mehr als halbherzig verhütet. War es Glück? Oder hatte ich diese Entscheidung bewusst getroffen? Auf jeden Fall nicht mit dem Verstand, der den ganzen Tag Dinge für mich regelt. Nicht ich habe verhütet, sondern etwas ganz tief in mir hat mich davor geschützt, im unpassenden Moment schwanger zu werden. Das glaubte ich zumindest.

Mit der Zeit fragte ich mich immer häufiger, ob andere Frauen und Männer auch von solchen Erfahrungen berichten können. Ich hatte den Wunsch, spielte mit der Idee, eine Formel zu finden, wie man mit einer körperlichen Entscheidung, einem inneren Bild verhüten kann. Aber keiner von denen, die ich befragte, hatte je einen Garten umzäunt, ein Pferd angebunden oder das Türchen am Vogelkäfig geschlossen, Stoppschilder aufgestellt, eine Mauer gebaut oder einen Kreidekreis gezogen, sich in violetten Nebel gehüllt, einen goldenen Raumanzug angezogen oder einen Zaubertrank getrunken …

Eines Tages entdeckte ich das Buch „Spirituelle Empfängnisverhütung“ von Margarete Sennenkamp. Durch eine klar getroffene Entscheidung verhüten – hier stand es drin! Ihrer Meinung nach strahlt bei jeder Vereinigung ein Licht aus, welches ungeborene Seelen anzieht. Wir könnten entscheiden, ob wir das noch körperlose Wesen zu uns einlassen oder nicht. Eine Möglichkeit um auszudrücken: „Besucher unerwünscht, bitte lass dich woanders empfangen!“ sind ihres Erachtens nach zum Beispiel Visualisierungen von Lichtkugeln im Uterus und schützende Lichtschirme um das Liebeslager herum. Sie meint, eine Schwangerschaft beginne mit der ersten Wahrnehmung eines Kindes – als Gedanke oder Wunsch. Wenn bei der Empfängnis bzw. Verhütung etwas schief geht, dann sei frau nicht richtig entschieden, so Sennenkamp.

Ich suchte nach Belegen für ihre Theorie. Ich war 24, noch Studentin, als ich meine Tochter bekam. Weil ich den Dingen entschieden ihren Lauf gelassen hatte, meinte ich. Mein Kopf argumentierte damals zwar gegen ein Kind, mein Körper und mein Herz aber dafür. Niemand in meinem Umfeld sprach zu jener Zeit übers Kinderkriegen. Ich selbst fand meinen Wunsch vermessen: So etwas Schönes wie ein Kind – darf ich mir das überhaupt wünschen? Schwanger werden? Jetzt? Dann kam der richtige Mann und schon war es passiert. Ich erinnere mich noch genau: Im WG- Zimmer hatte ich ein klappriges, quietschendes Bettsofa, dort liebten wir uns am hellen Vormittag. Der Sex an sich war unspektakulär, aber einmalig innig. War es die Nähe, die wir suchten, weil ich kurz darauf zu meiner ersten langen Reise aufbrechen sollte? Oder war es der magische Moment der Zeugung? Danach fühlte ich mich anders, selbstbewusster, so als stünde ich fester im Leben. Hatte ich hier meinen Beweis für Sennenkamps Ansatz, man müsse etwas nur stark genug wollen?

Steffi Engelhardt hat Frauen und Männer dazu befragt, ob bzw. wie sie die Zeugung oder die Empfängnis ihrer Kinder empfunden haben. Die Antworten sind neben dem vollständigen Artikel in Séparée No.12 zu lesen.

 

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