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Bitteres Feuer

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Franz Josef Wetz

"Speziell die Eifersucht des Mannes auf mögliche Rivalen brachte in der Kulturgeschichte ganz bizarre Phänomene hervor."

  • Text: Prof. Dr. Franz Josef Wetz
    Foto: © Anton Gvozdikov - Fotolia.com

Der Philosoph beschäftigt sich beruflich mit den ganz großen Fragen des Lebens. Er unterrichtet Philosophie und Ethik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Seine Fragen an den Menschen und die Welt sind – genau wie seine Antworten – selten bequem.

Sobald wir lieben, wächst für uns der Unterschied zwischen der begehrten Person und allen übrigen Menschen ins Unermessliche. Deshalb ist die Angst groß, den geliebten Partner zu verlieren, den wir gerne für uns alleine behalten möchten. Ein Schattenbild dieser Angst ist die Eifersucht. Bisweilen werden wir sogar eifersüchtig auf seine Alltagswelt, seinen Beruf, seine Hobbys oder Freunde, sofern diese zur Lockerung der Zweisamkeit beitragen. Oftmals ist die Liebe nicht großzügig, sondern misstrauisch. Bosheit und Bespitzelung sowie die Entwertung von Rivalen sind ihr nicht fremd. Dahinter stehen Verlust- und Trennungsängste, das Gefühl sklavischer Abhängigkeit vom Geliebten, die besonders schmerzhaft während seiner Abwesenheit spürbar wird. Wie schnell mischt sich in die Unruhe vergeblichen Wartens ein Gefühl der Eifersucht, und Besorgnis schlägt bald in Wut um. In der anfänglichen Begeisterung glauben Liebende nicht selten, sich schon immer vermisst zu haben, obwohl sie sich zuvor noch gar nicht kannten. Dies kann zuweilen eine verstörende Eifersucht selbst auf vergangene Partner hervorrufen, das Bedauern, den Geliebten nicht schon früher besessen zu haben. Denn im Zustand starker Verliebtheit, eine chemisch induzierte Form normalen Wahnsinns, kann die Vorstellung wehtun, dass schon andere Personen ihn berührten, andere Lippen ihn küssten.

Eifersucht ist eine biologische Neigung. Bekanntlich hat die Evolution alles Leben auf Reproduktion angelegt. Deren Strategien existieren selbst dort weiter, wo – wie bei uns Menschen – die Sexualität von der Fortpflanzung abgekoppelt und zu reinem Lustgewinn, also nicht mehr von vornherein zur Genvervielfältigung praktiziert wird. So sehr Menschen zum Fremdgehen neigen, so wenig dulden Männer die sexuelle Untreue ihrer Partnerinnen, nicht zuletzt um der Vaterschaft ihrer Kinder gewiss sein zu können. Vaterschaftstests gibt es erst seit wenigen Jahren. Nach dem Stand der gegenwärtigen Forschung liegt hier ein Ursprung der menschlichen Eifersucht: Männer fürchten, ihre Partnerin könne das Erbgut von Rivalen aufnehmen, so dass ihre fürsorglichen Investitionen fremdem Nachwuchs zugute kämen, während Frauen sich mehr davor ängstigen, dass ihr untreuer Partner sie und die Kinder vernachlässigen könnte.

Obwohl unsere Konventionen und Gesetze destruktiven Neigungen entgegenzuwirken suchen, vermochten alle bisherigen Regeln es nicht, auch die zerstörerische Eifersucht kulturell zu entschärfen. Wie viele unnütze Schmerzen werden ihretwegen erlitten, wie viele unsinnige Ängste ertragen, wie viele müßige Wortgefechte beruhen auf ihr. Immer wieder führt sie zu heftigen Streitereien, überstürzten Scheidungen und blutigen Tragödien. Oft fallen bösartige Worte. Im Extremfall kommt es zu Gewaltandrohungen, auch Gewalttaten bis zu jenen furchtbaren Ereignissen, in denen eine Frau oder ein Mann die ganze Familie und anschließend sich selbst tötet. Bedauerlicherweise haben bis heute Sitte und Gesetzgebung keine Anstrengungen unternommen, diese fragwürdige biologische Neigung in die Schranken zu weisen ...

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Séparée No. 3.

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