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Befreiungsschnitt

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Yvi Pó

Yvi Pó (Name geändert) litt seit ihrer Pubertät unter der Größe ihrer inneren Schamlippen, nicht nur aus optischen Gründen. Schon lange erwog sie eine operative Schamlippenkorrektur, als sie in Séparée No.9 das Interview mit einem Intimchirurgen las, das ihr den entscheidenden Impuls zu dem Eingriff gab.

  • Text: Yvi Pó
    Fotos: Voyagerix - Fotolia.com

Lange war es eine meiner erotischen Lieblingsfantasien, an einem heißen Sommertag mit meinem Mann einen Ausflug ins Grüne zu machen. Dabei würde ich nichts als ein kurzes dünnes Kleidchen tragen, dessen Rocksaum bei jedem Windstoß leicht nach oben wehen und ihn einen kurzen Blick auf meine Pussy erhaschen lassen würde. Nach nur wenigen Metern in freier Natur würde ihn dieser Anblick so scharf gemacht haben, dass er nicht anders könnte, als mich hinter eine Gruppe von Bäumen zu ziehen. Dort würde er genau das, was er auf dem Weg immer nur für einen kurzen Moment zu sehen bekommen hätte, ausgiebig mit seiner Zunge verwöhnen, so lange, bis ich richtig heiß und nass wäre und ihn betteln würde, endlich seinen großen, harten Schwanz in meine Muschi zu schieben. Obwohl das keine besonders ausgefallene Vorstellung ist, blieb sie viel zu lange unerfüllt. Warum eigentlich?

In allererster Linie, weil ich meinen Intimbereich nie als schön empfand. Schon allein deshalb habe ich mich nie ohne Unterwäsche im kurzen Röckchen aus dem Haus getraut. Zu groß war die Gefahr, dass bei einer unbedachten Bewegung oder eben einem Windstoß auch andere hätten sehen können, was ich bei Tageslicht sogar lieber vor meinem Mann versteckte. Ich hatte nämlich eine gewisse Vorstellung davon, wie der Bereich zwischen den Beinen einer Frau auszusehen hat. Eine schöne Pussy bedeutete für mich straffe und volle äußere Schamlippen, die die inneren vollkommen verdecken. Doch so sah meine nun einmal nicht aus.

Wie ich zu meinem Idealbild einer Vagina gekommen bin, weiß ich heute nicht mehr. Ganz sicher aber nicht durch mediale Einflüsse, die es in meiner Kindheit noch gar nicht in der Form gab, wie wir sie heute haben. Wahrscheinlich hatte sich die „geschlossene Muschel“ in meiner Vorstellung verankert, weil alle Frauen in meiner Familie eine solche haben. Nur ich leider nicht, denn mit Beginn der Pubertät begannen meine inneren Schamlippen, die sich bis dahin klein und zart schön zwischen den äußeren versteckt hatten, zu wachsen. Am Ende waren sie so groß, dass sie deutlich über die äußeren herausragten. Allein rein optisch empfand ich das als unschön. Ich schämte mich deswegen so sehr, dass ich nur noch selten ins Schwimmbad oder in die Sauna ging. FKK? Undenkbar. Auch den ersten Besuch bei einer Gynäkologin – zu einem Mann wäre ich nie gegangen – schob ich so lange wie möglich hinaus. Ich wollte mich einfach nicht so vor anderen zeigen. Die Ärztin, zu der ich schließlich doch irgendwann ging, spürte sofort, dass ich sehr unsicher und nervös war. Als ich vor ihr auf dem Behandlungsstuhl lag, war ihr auch sofort klar, warum. Mit viel Einfühlungsvermögen erklärte sie mir dann, dass das weibliche Lustzentrum vielfältig gestaltet sein kann. Zum Beispiel kann der Venushügel bei manchen Frauen dick und fleischig sein, während er bei anderen eher einer Ebene gleicht. Bei wieder anderen sind die äußeren Schamlippen groß, die inneren aber klein, ja fast kaum vorhanden. Bei den nächsten ist es – wie bei mir – genau umgekehrt. Auch dass die Labien – egal, ob innere oder äußere – unterschiedlich in Form und Größe ausgeprägt sind, komme nicht selten vor, sagte meine Ärztin. Ebenso sei die Farbe der Haut im Intimbereich von Frau zu Frau verschieden und variiere von milchig-weiß über blassrosa, weiter zu zartlila bis hin zu dunklen Violett- und Brauntönen. All diese Varianten, so betonte sie, lägen medizinisch im Normbereich und stellten keine krankhafte Veränderung dar.

Auch wenn ich nach diesem Gespräch in gewisser Weise erleichtert darüber war, dass das Aussehen meines Intimbereichs eine natürliche Variation darstellte, konnte es mir doch nichts von meinen Hemmungen nehmen. Diese wurden sogar noch stärker, als ich mich das erste Mal verliebte. Zwar sagte ich mir immer: „Du bist ganz normal. Es gibt auch andere, die so aussehen“; daran glauben konnte ich aber nicht, denn ich hatte bis dahin nicht eine einzige Frau mit einer ähnlichen Vagina gesehen. Entsprechend groß waren auch meine Beklemmungen, als die Kontakte zwischen mir und dem damaligen Mann meines Herzens intimer wurden. Aber ausgerechnet da erlebte ich eine große Überraschung. Zu meiner Verwunderung gefiel meinem Freund, was er sah, als er mir – nach ewiger Zierde meinerseits – endlich das Höschen ausziehen durfte. Von da an war ich ihm gegenüber ein weniger lockerer. Doch mit jedem neuen Liebhaber stellten sich auch die alten Ängste wieder ein. Auch Familienmitgliedern oder Freundinnen gegenüber zeigte ich mich weiterhin nur äußerst ungern völlig nackt.

Das war jedoch nicht das einzige Problem. Auch wenn mich meine sehr großen inneren Schamlippen in meinem Sexualleben wenig einschränkten, so taten sie es doch im täglichen Leben um so mehr. Vor allem beim Radfahren und Reiten bereiteten sie mir große Probleme. Hatte ich vor beiden Aktivitäten nicht darauf geachtet, dicke, gut sitzende Baumwollhöschen anzuziehen, scheuerte ich mich wund. Das war dann auch gleich in mehrerer Hinsicht schlimm. Erstens tat es weh, zweitens dauerte es einige Tage, bis es abgeheilt war und drittens passierte es immer wieder. Es gab einfach nichts, was ich dagegen tun konnte. Auch das Tragen von Jeans war bisweilen sehr unangenehm. So konnte die falsche Hose einen Shopping-Nachmittag in der Stadt zur Tortur werden lassen.

Schon vor Jahren hatte ich eine Reportage über Intimchirurgie gesehen. Berichtet wurde dort über eine Frau, deren Vagina sich nach den Geburten ihrer Kinder stark verändert hatte. Sie litt darunter so sehr, dass sie keinerlei Sexualkontakte mehr zulassen konnte. Darunter wiederum litt ihr Eheleben. Hilfesuchend hatte sich die Frau an ihren Gynäkologen gewandt, der ihr schließlich einen Arzt empfahl, der sich auf Intimchirurgie spezialisiert hatte und ihr helfen konnte. Von da an stand für mich fest: Das will ich auch! Also begann ich, mich zu informieren ...

Den vollständigen Text lesen Sie in Séparée No.14.

 

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