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Über die Schwelle

separee
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Ella Stern

Ein halbes Leben lang träumte die Autorin davon, im Bett dominiert zu werden. Was nicht nur bei ihr selbst, sondern auch bei den Männern für Verunsicherung sorgte. So sah sie eines Tages nur einen Ausweg – und meldete sich zum BDSM-Anfänger-Workshop an.

  • Text: Ella Stern
    Fotos: Alexandra Schimske, Caritia Abell, Isabelle Hanikamu

Ich liege auf dem Rücken, halb über ein paar fremde Beine gestützt, meine Augen sind verbunden, meine Handgelenke sind vor der Brust mit einem Seil gefesselt. Ich weiß nicht, wer die Person ist, die mir gerade provozierend langsam eine Wäscheklammer auf die rechte Brustwarze setzt. Aber ich spüre ihre Kraft, ihren Atem auf meiner Haut. Die Klammer sitzt kaum, da piekst mich etwas Spitzes in die Wange. Aua. Ich drehe den Kopf weg, eine Hand dreht ihn sanft, aber bestimmt zurück. Finger wandern langsam an meinen Lippen entlang, spielerisch. Dann öffnen sie zielstrebig meinen Mund und stecken mir sanft etwas hinein. Es fühlt sich an wie ein kurzer, dicker Gummi-Kolben. Aha. Ich spüre, wie sich ein warmes Gefühl zwischen meinen Beinen ausbreitet …

Wenige Augenblicke später wird die Augenbinde abgenommen, das Licht geht an, und ich sehe, wem ich dieses wohlige Gefühl zu verdanken habe. Eine blonde Frau um die vierzig lächelt mich zufrieden an.

Sechs weitere Übungspaare sitzen lose verstreut um uns herum in dem großen, hellen Loft und tauschen sich zu den eben gemachten Erfahrungen aus. Wir befinden uns in der Schwelle 7, einem in der Berliner Szene wohlbekannten Ort für experimentelle Workshops, Performances und Partys im Kontext von Körperarbeit, Kunst und vor allem BDSM.

BDSM steht offiziell für Bondage & Discipline, Dominance & Submission und Sadism & Masochism. Ein weites Feld sexueller Spielarten, von dem ich bislang quasi nur theoretisch, aber dafür umso intensiver geträumt habe.

Der Workshop, in dem wir nun sitzen, trägt den etwas rätselhaften Namen „BDSM – Borders DO/N’T speak to me“ und ist eine Art Anfänger-Workshop für Leute, die sich für BDSM interessieren, aber nicht genau wissen, wo und wie sie damit anfangen sollen oder welche Bereiche ihrer Neigung sie in der Praxis eigentlich ausleben wollen. So wie ich. Ich habe eine beachtliche Weile gebraucht, um nicht mehr auf den komplementären Mann dafür zu warten („Hase, ääähm, würde es dir was ausmachen, mich eventuell mal ein bisschen zu unterdrücken beim Sex, also nur wenn das für dich ok wäre?“), sondern nach einem Ort zu suchen, der mir konkret bietet, was ich brauche.

Dabei hätte ich fast vor der Tür wieder umgedreht. Zum Glück bin ich dann doch hineingegangen, denn mit diesem Schritt hat sich – ich übertreibe nicht – mein Leben verändert ...

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Séparée No.3

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