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Pole Dance

separee
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Ute Gliwa

Wer bei Pole Dance an schmierige Clubs, billige Unterhaltung und leichte Mädchen denkt, sollte schleunigst ihre oder seine Meinung revidieren. Was nach spielerischem Vergnügen aussieht, ist nicht ganz einfach. Es braucht Kraft, Gelenkigkeit und Eleganz, um die vertikale Stange mit Bravour zu meistern. Die gute Nachricht dabei: Mit ein wenig Übung hat jede Frau das Zeug dazu, am Pole zu tanzen.

  • Text: Ute Gliwa
    Fotos: Janina Gatzky

Foto: Training mit Agata, der Inhaberin vom Studio Schönheitstanz in Berlin Mitte, bei der ich für diese Reportage zwei Kurse absolvierte.

Lektion 1

Ich bin etwas zu früh dran, aber ich bin nicht die Erste, die vor der Tür des Pole Dance Studios wartet. Eine blonde junge Frau steht schon vor der Tür und wir kommen ins Gespräch. Sie ist schon länger dabei und ich befriedige meine Neugier und frage sie allerhand. Altersmäßig sei es sehr gemischt, sagt sie. Sogar ihre Mutter, die einmal aus Neugier mitkam, tanzt jetzt am Pole. Sie ist 44, berichtet die junge Frau bewundernd. Gut, stelle ich innerlich beruhigt fest, ich bin auch nicht viel jünger als sie.

Als die Stunde beginnt, sind wir fünf Kursteilnehmerinnen; zwei junge Frauen, die schon länger Unterricht bekommen und zwei weitere komplette Neulinge wie ich. Am Anfang werden wir gefragt, was wir sonst für Sport treiben. Nichts weiter, sagen die beiden anderen Neuen, aber wir haben Kinder und wohnen im vierten Stock. Ich bin sportlich etwas vorbelastet, auch wenn das teilweise schon eine halbe Ewigkeit zurück liegt. Ich fahre regelmäßig Fahrrad und tanze, aber ich habe noch nie ein Fitnessstudio von innen gesehen und würde mich kaum als durchtrainiert bezeichnen.

Wir sind barfuß und tragen alle enge Tops und Hot Pants, nicht weil es möglichst sexy aussehen soll, sondern weil es auf den Hautkontakt mit der Stange ankommt. Viel funktioniert über die richtige Technik, für manch einen Move braucht man gar nicht so viel Kraft wie es auf den ersten Blick scheint, sondern die richtige Körperhaltung. Die Hot Pants, die ich erst kürzlich an meine Tochter vererbt habe, weil ich glaubte, aus dem Alter dafür raus zu sein, habe ich mir für die Stunde wieder zurück geborgt.

Wir beginnen mit einer Viertelstunde Aufwärmen, die es in sich hat. Aber es tut extrem gut, Muskelgruppen zu reaktivieren, deren Existenz ich komplett vergessen hatte. Dann gehen wir an die Stange. Schon nach kürzester Zeit an der Stange „hängen“ und die einfachsten Bewegungen ausführend, schmerzen meine Schultern, Arme und Hände kolossal. Es ist mir ein Rätsel, wie das jemals was werden soll. Doch dann beginnen wir mit den Drehungen um die Stange und siehe da, es geht doch einigermaßen, sogar in beide Richtungen. Ein Bein holt Schwung, das andere „wickelt“ sich um die Stange, und das geht auch mit dem Rücken zur Stange und in allerlei Variationen. Bald schon ist mir leicht duselig im Kopf von all dem Gedrehe und ich werde definitiv blaue Flecken in den Kniekehlen und anderswo bekommen.

Nach der Stunde radele ich mühsam nach Hause. Mir tut alles weh, aber ich freue mich schon auf die zweite Lektion.

Lektion 2

Zunächst bin ich irritiert und etwas verärgert darüber, dass ich mir ein neues Studio für mein Vorhaben suchen muss. Die Betreiberin des ersten Studios möchte nicht gern mit einem Erotikmagazin in Verbindung gebracht werden. Sicher, ihr Unterricht hatte eher einen akrobatischen Ansatz und mit Erotik hatte die Stunde sehr wenig zu tun, dennoch bin ich enttäuscht. Aber nicht lange, denn am Ende ist es wohl Glück im Unglück, denn mein nächster Versuch führt mich zum Studio Schönheitstanz, und hier liegt die Betonung wirklich auf Tanz. Der Unterricht unterscheidet sich wie Tag und Nacht von der Akrobatikstunde in der Woche zuvor, nach der ich drei Tage lang kolossalen Muskelkater hatte. Agata, die Inhaberin des Studios, gibt neben anderen Lehrerinnen selbst Pole Dance Stunden. Bei ihr belege ich noch einmal eine Schnupperstunde.

Das Studio befindet sich in gepflegter Nachbarschaft, über einen niedlichen Hof mit einem kleinen Brunnen hinüber im Hinterhaus. Der Raum zum Umkleiden eine halbe Treppe tiefer ist gemütlich mit Sofa und Kissen ausgestattet. Der Trainingsraum oben ist nicht minder liebevoll eingerichtet. Sechs Stangen haben dort Platz, die lange Wand gegenüber der Fensterfront ist verspiegelt. Warme und kalte Getränke und Kekse zum Knabbern stehen an der Seite bereit. Ich fühle mich sofort sehr wohl.

Auch hier beginnen wir mit dem Aufwärmen, aber viel behutsamer als ich es in der Vorwoche erlebt habe. Agata verzichtet darauf, die beiden anderen Neulinge und mich gleich wie nasse Säcke an die Stange zu hängen. Vielmehr machen wir uns spielerisch mit unserem neuen Tanzpartner vertraut. Wir laufen aufreizend um die Stange herum, üben das Kreisen der Hüften in Form einer Acht, schlängeln uns wellenförmig an der Stange entlang. Und schön das Lächeln nicht vergessen. Es sieht so einfach aus bei Agata, so vollkommen natürlich, ich komme wir wie ein linkischer Teenager vor, aber sie lobt uns unermüdlich. Wir versuchen uns an ein, zwei Drehungen und an einer einfachen Kletterfigur, aber immer mit einer tänzerischen Note und im Bemühen um elegante Bewegungen.

Über die dritte und alle weiteren Lektionen können Sie in Séparée No.2 lesen.

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