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Starker, schwarzer Mokka

separee
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Mona Lux

Ich hatte Rafael über Lovoo kennengelernt. Was heißt „kennengelernt“, er hatte mich dort angeschrieben. Auf dem Foto machte er den Eindruck eines draufgängerischen, orientalischen jungen Mannes. Typisch eben. Aber nicht unsympathisch. Dreiunddreißig sei er und sehr reif für sein Alter. Ich sei nicht interessiert, schrieb ich und wünschte ihm noch viel Spaß auf dieser Dating-Seite. Aber er ließ nicht locker. Immer wieder und wieder kamen nette kleine Nachrichten, die mich von seinem guten Charakter und zu einem Treffen überzeugen sollten. Schließlich war ich es leid. Der hört erst auf, wenn er mich einmal live gesehen hat, wenn er sieht, dass er kein süßes, schmollmündiges Blondchen, sondern eine echte Frau vor sich hat. Dachte ich.

Als ich die Bar betrat, brauchte ich nicht zu suchen. Dieser große, schlanke Typ dort hinten lächelte mich mit einer Reihe strahlend weißer Zähne und großen dunklen Augen unverschämt breit an. Charmant half er mir aus dem Mantel und rückte meinen Stuhl zurecht. Ein äußerst kurzweiliger Abend begann. Geschickt und interessiert lockte er sämtliche Gesprächsthemen aus mir heraus, die sich für ein erstes Date eigneten. Ohne Pausen erfuhr ich ebensoviel von ihm. Wirtschaftsingenieur war er. Zur Zeit Berater von verschiedenen großen Betrieben der Gegend. Als Sohn eines nordafrikanischen Vaters und einer französischen Mutter in Deutschland geboren und mit mehreren älteren, studierten Schwester aufgewachsen.

Da saß mir also ein sehr intelligenter und interessanter Mann gegenüber. Und ich hatte mich von meinem ersten Eindruck fehlleiten lassen. Der erste Eindruck verdient manchmal eben doch eine zweite Chance. Von „schnell einen Kaffee trinken und mich dann verabschieden“ war ich inzwischen meilenweit entfernt.

Na ja, bei seinem Alter habe er gemogelt. Er sei nicht dreiunddreißig, sondern habe sich fünf Jahre älter gemacht. Bei den Profilen auf Dating-Seiten wird in der Regel gemogelt. Alle mogeln. Frauen machen sich gerne leichter, Männer dagegen größer, und 99% beiderlei Geschlechts auch mal gerne jünger. Dass sich jemand älter macht wie Rafael, um mit älteren Frauen in Kontakt zu kommen, war mir bisher noch nicht untergekommen. Die anderen Männer hatten bisher immer mit ihrer Jugend kokettiert.

Unser Abend war sozusagen im „Flow“. Kein peinlicher Moment, keine Anzüglichkeit, keine Berührung. Seine Blicke folgten jeder meiner Bewegungen. Beharrlich, aber ohne Aufdringlichkeit. Und so ließen wir unseren Bar-Besuch ausklingen. Er begleitete mich zum Auto und verabschiedete sich. War es Mitleid, dass ich diesem Mann, der ohne Auto in einer ihm noch fremden Stadt mir nun etwas verloren vorkam, anbot, ihn nach Hause zu bringen? „Nach Hause“ wäre zu viel gesagt gewesen. Er bewohnte seit kurzem ein Zimmer zur Untermiete bei einer alten Dame. Dass er tatsächlich neu in der Stadt war, wurde mir spätestens klar, als wir auf unserer Irrfahrt durch die Stadt wiederholt die verschiedensten falschen Plätzen und Straßen passierten, bevor wir seine Haustür, bzw. die Haustür der alten Dame erreichten. Bei der Umarmung zur Verabschiedung spürte ich seinen harten Schritt an meinem Bauch. Dies war die einzige direkte Aufforderung des gesamten Abends! Ich könnte noch mit zu dir rauf kommen, hörte ich mich sagen. Und schon hatte er mich bei der Hand genommen, und wir schlichen auf Zehenspitzen die knarrende Treppe zu seinem Zimmer hinauf.

Er bot mir an, mich zu setzten. Während er seinen Ibrik mit Wasser füllte, um einen wunderbar schwarzen, süßen Mokka zu kochen, begann er mit geschmeidigen Bewegungen, sein Hemd zu öffnen. "Du entschuldigst, aber ich muss mir etwas anderes anziehen", sagte er nebenbei. Mir den Rücken zugewandt, weiter auf den Mokka achtend, ließ er das Hemd langsam von seinen Schultern gleiten. Es gab den Blick auf seine bronzefarbene Haut, die seine orientalische Herkunft nicht verleugnen konnte, frei. Als er sich zu mir umdrehte, um mir den Mokka zu reichen, konnte ich nur auf die geschmeidigen Bewegungen seiner wohl definierten Muskeln achten. Sein, schön stark wie du es magst, überhörte ich fast. Beide Hände wieder frei, öffnete er geschickt seinen Gürtel, zog ihn ganz langsam aus dem Bund und ließ ihn dann unverhofft in der Luft schnalzen wie eine Peitsche, so dass ich kurz erschreckt zurückwich. Mit leicht wiegendem Gang kam er ein paar Schritte auf mich zu. Kurz vor meinem Gesicht blieb er stehen, um sich ruhig, Knopf für Knopf die Hose zu öffnen. Er musste meinen erstaunten Blick auf seine dunkle, fast schwarze Erektion, die ihm knapp bis zum Bauchnabel reichte, bemerkt haben. Wie um mich nicht zu erschrecken, drehte er sich von mir weg und ließ genüsslich seine Hose auf den Boden gleiten.

Lächelnd wandte er sich nun mir zu. Er kniete sich vor mich hin, um mit seinen Händen meinen Körper Zentimeter für Zentimeter abzufahren, ohne ihn zu berühren, aber dabei seinen Händen mit den Augen zu folgen. Dies wäre für mich die letzte Gelegenheit gewesen, aufzustehen und zu gehen. Wie ein Kaninchen vor der Schlange ließ ich diese Gelegenheit verstreichen. Die Wärme seiner Hände und seines Atems auf meiner Haut waren nicht die einzigen Gründe meiner nun folgenden Erhitzung. Ich spürte meinen Herzschlag bis in den Hals und ergab mich einfach nur genussvoll der Begierde der nun folgenden Stunden.

Beschwingt verließ ich Rafael bei aufsteigender Morgenröte, in dem Wissen, niemals zuvor auf so dezente Weise verführt worden zu sein.

Eine Woche später klingelte das Telefon. Ich ließ Rafael auf die Mailbox sprechen. Er wolle mich wiedersehen. Auch in den folgenden Wochen sprach er wiederholt auf die Mailbox. Es waren immer sehr liebevoll Nachrichten. Ich löschte sie. Ich rief ihn nicht zurück. In meinem Alter könnte Rafael immerhin mein Sohn sein.

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