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Eine Nacht für uns

separee
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Tom Bolt

 

Ein Neuankömmling betrat die Bar und blickte sich suchend um. Er setzte sich an das kurze Ende des bogenförmigen Tresens. Ihm schräg gegenüber saß eine Frau, zu der er kurz herüberschaute.

Sein Blick fiel beiläufig in die Karte, bevor er diesen wieder durch den Raum schweifen ließ. Schließlich sah er wieder zu der Frau herüber. Ihre Blicke kreuzten sich kurz. Sie war groß und schlank und ihr schulterlanges Haar schmiegte sich um ihre sanften Gesichtszüge. Sie trug ein enganliegendes Kleid und dazu passende, hohe Stiefel. Vor ihr stand ein Longdrinkglas, das sie mit den schlanken Fingern ihrer rechten Hand umspielte. Dabei blickte sie versonnen auf einen unbestimmbaren Punkt hinter der Theke.

Als er vom Barkeeper nach seinem Getränkewunsch gefragt wurde, schaute er noch einmal kurz zu ihr herüber.

„Einen Gin Tonic bitte“, sagte er schließlich.

Immer wieder ließ er seinen Blick durch den Raum schweifen. So entging ihm nicht, als sich der Frau ein Mann von der Seite näherte. Dieser sprach sie an. Sie sah kurz zu ihm auf, sagte etwas und lächelte leicht. Dabei machte sie jedoch eine abweisende Handbewegung. Der Mann entfernte sich wieder. Dafür blickte sie jetzt zu ihrem Gegenüber. Sie lächelte nicht, aber sie sah ihm für einen Moment in die Augen, bevor sie einen Schluck aus ihrem Glas trank.

Währenddessen hatte der Barkeeper ihm sein Getränk gebracht. Er ließ es unberührt vor sich stehen, griff unvermittelt in die Innentasche seiner Lederjacke und zog sein Handy hervor.

„Hallo Mike!“, sprach er in sein Handy. „Ja, ich bin schon hier. Ich sitze an der Bar.“

Er schwieg für einen Moment und runzelte die Stirn.

„Oh, du kannst nicht kommen? Das ist ja echt schade.“

Und nach einem weiteren kurzen Schweigen: „Nein, nein, mach dir keinen Kopf. Das ist wirklich nicht schlimm. Ich trinke ein Glas auf dich und dann gehe ich einfach wieder.“

„Wir verschieben das einfach. Alles klar? Okay, bis dann“, sagte er und ließ das Telefon in seiner Jacke verschwinden.

Jetzt trank er einen Schluck aus seinem Glas. Aus den Augenwinkeln sah er kurz zu ihr. Sie erwiderte seinen Blick. Das Glas stellte er nicht ab, sondern stand auf und ging langsam zu ihr hinüber.

„Darf ich mich vielleicht zu dir setzen?“

Sie sah zu ihm auf, hielt kurz inne. „Bist du alleine hier?“

„Mein Freund hat mich leider versetzt. Ich will aber nicht einfach wieder gehen. Ich hätte nichts dagegen, in netter Gesellschaft etwas zu trinken.“

„Setz dich ruhig“, forderte sie ihn auf. Dabei lächelte sie ein bisschen. „Meine Freundin scheint sich auch zu verspäten.“

„Also teilen wir ein Schicksal.“

Sie lachte. „So kann man es natürlich auch sehen. Aber meine Freundin hat immerhin noch nicht abgesagt.“

„Das Noch macht mir ein kleines bisschen Hoffnung“, sagte er lächelnd.

Darauf antwortete sie nicht.

„Bist du hier aus der Stadt?“, versuchte er das Gespräch wieder in Gang zu bringen.

„Ja, ich wohne aber noch nicht so lange hier.“

„Oh, mir geht es ähnlich. Ich bin auch erst vor ein paar Monaten wegen eines Jobs hergezogen. Und Du?“

„Irgendwie genauso. Ich bin Apothekenassistentin. Diesen Job könnte ich auch in meinem Heimatort machen. Aber meine Liebe gilt der Musik. Und hier in der Stadt kann ich nebenbei im Orchester spielen.“

„Du spielst in einem Orchester? Welches Instrument?“ Sie errötete leicht bei seiner Frage, wandte kurz den Blick von ihm ab, um ihm dann aber doch wieder in die Augen zu sehen.

„Ich spiele Violine. Die meisten Menschen können nicht verstehen, dass ich wegen eines Hobbys in die teure Stadt ziehe.“

„Ich kann das gut verstehen!“

„Warum?“

„Die wenigsten Menschen haben das Glück, in ihrer Arbeit Erfüllung zu finden. Aber wir müssen nun mal arbeiten, um leben zu können. Aber sollen wir deswegen unser ganzes Leben der Arbeit unterordnen? Wir sollten das tun, was uns erfüllt.“

„Weise Worte!“ Sie lächelte. „Und wie ist es bei dir?“

„Genauso wie bei dir, nur andersrum“, sagte er. „Mein Hobby könnte ich überall betreiben, aber für meine Arbeit muss ich in die Stadt.“

„Das klingt spannend!“

„Versprich dir nicht zu viel davon. Ich bin Bibliothekar. Da ist es schwierig, eine Stelle zu finden.“

Und nach einer kurzen Pause: „Nebenbei schreibe ich.“

„Aber das passt doch zumindest gut zusammen, Bibliothekar und Schriftsteller. Auch wenn du gar nicht aussiehst wie ein Bibliothekar!“

„Ich arbeite in der Stadtbücherei und bin für die Abteilung für technische Fachliteratur zuständig. Das ist todlangweilig und von den Inhalten habe ich überhaupt keine Ahnung. Zum Glück brauche ich die auch nicht“, sagte er und legte den Kopf leicht zur Seite. Dabei spitzte er die Lippen und zog die Augenbrauen zusammen. „Wie sieht ein Bibliothekar denn deiner Meinung nach aus?“

Sie grinste: „Klein und dick, mit Brille und Halbglatze.“

„Das kann fast alles noch kommen“, sagte er lachend. „Aber erzähl mir von deinem Orchester.“

„Wir sind ein Laienorchester aus Streichern und Bläsern. Wir treffen uns einmal die Woche und spielen zusammen. Manchmal treten wir auch auf.“

„Klingt doch schön.“

„Das ist es auch. Ich mache das gern. Dabei kann ich so richtig abschalten. Und was schreibst du jetzt genau?“

Er antwortete nicht direkt. Erst zögerte er ein bisschen, nahm einen Schluck aus seinem Glas. Als er sein Glas abstellte, begegnete er ihrem Blick. Sie sah ihm auffordernd in die Augen.

„Sag es mir“, hauchte sie.

„Also gut. Ich schreibe Kurzgeschichten. Einen Roman gibt es auch. Der ist aber noch nicht fertig“, sagte er schließlich.

„Oh, das klingt aber spannend. Worum geht es in deinem Roman?“ Sie legte ihre Hand auf seinen Arm und brachte ihn damit dazu, ihr direkt in die Augen zu sehen.

„Es ist ein Abenteuerroman. Ein Mann fährt mit dem Fahrrad durch den Kaukasus. Er ist auf der Suche nach sich selbst und erlebt bei seiner Reise einige schräge Abenteuer.“

„Ich liebe Abenteuer“, sagte sie und zwinkerte ihm zu. „Aber das klingt auch ein bisschen nach schwerer Kost.“

„Das kann schon sein. Wenn du lieber etwas Leichtes magst, könnte die eine oder andere Kurzgeschichte dich interessieren.“

„Hm“, erwiderte sie lächelnd. „Gibt es da vielleicht auch etwas Erotisches? Das würde mich brennend interessieren.“

Er errötete leicht und hielt kurz inne, bevor er antwortete.

„Nun, so etwas gibt es schon. Ein Mann trifft eine Frau in der Bar. Beide sind allein gekommen. Er spricht sie an. Es entwickelt sich ein interessantes Gespräch … Du bist quasi mittendrin.“

„Oh, das klingt wirklich aufregend. Wie geht es denn weiter?“

„Das weiß ich noch nicht. Ich habe sie noch nicht zu Ende geschrieben.“

„Hast du denn eine Idee, wie es weitergehen könnte? Mir würde da schon was einfallen“, sagte sie lächelnd. Dabei blickte sie ihm tief in die Augen. Er erwiderte ihren Blick. Langsam ließ er seine linke Hand auf ihr Knie herabsinken.

„Was hältst du davon?“

„Das gefällt mir“, hauchte sie. „Ich will mehr.“

Er sah sie an, zögerte nur kurz, bevor er schließlich seine rechte Hand in ihren Nacken schob. Seine linke verweilte auf ihrem Knie. Ihr Gesicht zog er sanft zu seinem. Sie ließ es geschehen und schloss die Augen. Mit seinen Lippen öffnete er ihren Mund und schob seine Zunge langsam hinein. Dieser Kuss dauerte länger als nur einen Augenblick.

„Deine Geschichte ist wahnsinnig interessant“, flüsterte sie schließlich.

„Ja, ich glaube, sie entwickelt sich ganz gut. Ich würde aber gern noch mehr über dein Orchester erfahren. Was sind das für Leute?“

„Oh, das ist eine bunte Mischung. Wir haben Violinen, Cellos, Kontrabässe, Querflöten, Klarinetten und sogar ein Saxophon. Bei den Spielern geht es von jung bis alt, Männer und Frauen. Ein paar nette Mädels sind auch dabei, unter anderem die Freundin, mit der ich mich hier treffe. Sie spielt Cello.“

„Und, sind die alle so gutaussehend wie du?“

„Nicht alle, meine Freundin aber auf jeden Fall!“

Während sie sprach, war seine Hand langsam zum Saum ihres Kleids hinaufgeglitten. Sie sah ihn auffordernd an und öffnete ihre Schenkel leicht. Er zog sie zu sich heran und küsste sie leidenschaftlich. Seine Hand nahm ihre Einladung an und glitt zwischen ihre Schenkel. So verharrten sie einige Zeit, ineinander verschlungen, sich wild küssend. Dabei zogen sie die Blicke der anderen Gäste auf sich, ohne dass sie Notiz davon nahmen.

„Deine Geschichte ist entschieden spannender, als mein Orchester“, sagte sie schließlich, als ihre Lippen sich voneinander gelöst hatten.

„Hm, sag das nicht“, sagte er. „Was ist denn jetzt eigentlich mit deiner Freundin?“

„Ich weiß nicht. Ich werde ihr jetzt schreiben, dass ich einen feschen Typen kennengelernt habe und mit dem von hier verschwinde.“ Sie nahm ihr Handy in die Hand und tippte etwas darauf.

„Meinst du nicht, dass sie dann vielleicht sauer ist?“

„Nein, sicher nicht. Höchstens eifersüchtig!“

Sie steckte ihr Handy weg und sah ihm tief in die Augen. Nun zog sie ihn zu sich heran und küsste ihn.

„Lass uns von hier verschwinden.“

Wortlos griff er zu seinem Portemonnaie und warf einen Geldschein auf die Theke. Er nahm ihre Hand und zog sie von ihrem Barhocker Richtung Tür. Auf halbem Weg hielt er plötzlich inne, drehte sie zu sich herum und küsste sie erneut leidenschaftlich. Sie standen in der Mitte der Bar. Alle Gäste konnten sie sehen. Viele unterbrachen ihre Gespräche und starrten zu ihnen herüber, manche von ihnen entgeistert, manche belustigt, einige aber auch neidisch. Einen Augenblick später verschwanden die beiden durch die Eingangstür.

Draußen sprachen sie kein Wort. Sie gingen langsam, Arm in Arm die Straße hinunter und bogen in die nächste Gasse ein. Es war eine Sackgasse, die zum Hinterhof eines Restaurants führte. Auf der rechten Seite der Gasse parkten einige Autos. Ganz am Ende stand ein Lieferwagen, der die Nische eines Hinterausgangs verdeckte. In diese Nische zog er sie. Er legte seine Arme um ihren Hals und drängte sie mit seinem Körper gegen die Backsteinwand, bevor er seine Lippen auf ihre legte. Ihre Zungen trafen sich zu einem feurigen Spiel. Langsam glitt seine Hand an ihrem Hals hinunter über ihre linke Brust bis zum Saum ihres Kleides. Er schob es hoch und ließ seine Hand in ihr Höschen gleiten. Gleichzeitig öffnete sie mit einer Hand den Gürtel seiner Jeans. Ihre Hand fuhr in seine Hose und begann seine Männlichkeit mit festem Griff zu massieren. So standen sie dort, eng umschlungen und verwöhnten sich gegenseitig. Er vergrub sein Gesicht in ihrem Ausschnitt und liebkoste ihre Brüste. Sie hatte ihren Kopf nach hinten gelegt. Ihr Haar fiel ihr in den Nacken. Aus ihrem geöffneten Mund drang ein unterdrücktes Stöhnen. Dabei hörte sie nicht auf, ihn zu massieren. Irgendwann streifte sie seine Hose bis zu seinen Knien runter. Er umkrallte mit seiner Hand ihr Höschen und riss es mit einem Ruck von ihren Beinen. Anschließend hob er sie hoch und drang in sie ein. Sie hatte ihre Beine um seine Hüften und ihre Arme um seinen Hals geschlungen, während sie gegen die Wand gedrückt von ihm genommen wurde. Beide stöhnten leise.

Für Minuten versanken sie in hektischer Ekstase. Plötzlich drang ein lautes Poltern aus dem Hinterhof des Restaurants. Der unerwartete Lärm ließ sie erschreckt auseinander gleiten. Er zerrte schnell seine Hose hoch, bevor sie Hand in Hand aus der Gasse rannten. Auf der Straße angekommen, fielen sie sich lachend in die Arme.

„Was meinst du, Liebling? Beenden wir das lieber zu Hause?“, fragte sie.

„Ja, das ist eine gute Idee, mein Schatz. So langsam müssen wir auch mal unseren Babysitter auslösen“, sagte er. „Ich fand dich übrigens umwerfend heute. Dass du Violine spielst, hätte ich nicht gedacht.“

„Du warst aber auch nicht schlecht. Ich fand es süß, wie schüchtern du warst“, neckte sie ihn. „Aber musstest du Bibliothekar sein. Ich hatte gehofft, du wärest vermögend.“

„Hm, vielleicht beim nächsten Mal.“

Wie ein frisch verliebtes Paar gingen sie Händchen haltend zu ihrem Auto und fuhren nach Hause, um ihr Liebesspiel zwischen den Laken ihres Ehebetts fortzusetzen. Als einziger Zeuge ihres Abenteuers blieb ihr zerrissenes Höschen auf dem Boden der Gasse zurück.

 

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