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Una G. glaubt wieder an den Weihnachtsmann

separee
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Ich brauche eine neue Handtasche. Eine kleine Flucht ins Warme wäre bei diesem Wetter auch nicht zu verachten. Und dann wäre da noch dieses unglaublich dekadente Sitzmöbel, das man irgendwo zwischen Wippe, Pauschenpferd und Lummelwiese verorten würde. Ach ja, und dann ... Ich seufze tief. Die Liste ist lang. Was läge zu dieser Jahreszeit näher, als alles auf einen Wunschzettel zu schreiben, diesen hübsch zu dekorieren und ab damit nach 16798 Himmelpfort. Zur Sicherheit könnte ich den Brief auch an die Zentrale nach Lappland schicken. Das einzige Problem: Ich glaube nicht mehr an den Weihnachtsmann.

Dafür bin ich neulich über eine andere Wünsch-dir-was-Möglichkeit gestolpert. Sugar Dating heißt das Zauberwort. Gut situierter älterer Herr (Sugar Daddy) erfüllt jungem Ding (Sugar Babe) kleinere und größere materielle Wünsche im Tausch gegen meist sexuelle Leistungen, die über einen längeren Zeitraum erbracht werden. Kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor? Das klingt so gestrig, dass es mich schüttelt. Und außerdem klingt es nach Prostitution, wobei man sich jedoch fragen kann, ob nicht die meisten klassischen Ehen auch eine Form der Prostitution darstellen. Tausche materielle Absicherung gegen kostenlose Kinderbetreuungs-, Koch-, Putz- und Liebesdienste. Also versuche ich nicht polemisch zu werden, sondern ganz pragmatisch zu denken. Weihnachtsmann wird nichts. Mein Nachbar, der jedes Jahr am Heiligen Abend zwischen 14 und 19 Uhr im Kostüm durch die Straßen zieht und die Erziehungsausfälle verschiedener Elternpaare im Umfeld kompensieren soll, wird nicht auf die Idee kommen, ein Paket vor meine Tür zu stellen. Mein Budget reicht derzeit nur für einen schicken Schuh, aber auf einem Bein tanzt es sich schlecht. Warum mir also nicht einen Gönner, einen Mäzen, einen Sponsor zulegen, der meine Gesellschaft und Jugendlichkeit (für einen 60-jährigen bin ich schließlich nur fast halb so alt) zu schätzen weiß und sich nicht zu schade ist, angemessen dafür zu bezahlen. Nicht mit Barem, sondern Waren. Irgendwie hat das auch etwas Rührendes: Wie ein ständig abwesender Vater, der sein schlechtes Gewissen durch übertriebene Geschenke zu beruhigen versucht.

Nun laufen Sugar Daddys nicht mit einem Button am Revers durch die Stadt. Also begebe ich mich auf eine Sugar Dating Plattform. Schniecke angegraute Gentlemen gibt es da, aber will ich wirklich mit denen ins Bett?! Sie könnten schließlich mein Vater sein. Vielleicht sollte ich doch lieber wieder an den Weihnachtsmann glauben. Wenn der wirklich nichts bringt, kann ich ja nochmal über Sugar Dating nachdenken.

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