Language
Sie befinden sich hier:

Schwelle7 - Interview mit Felix Ruckert

separee
(Kommentare: 0)
Christine Janson

Die Schwelle7 in Berlin ist ein einzigartiger Ort der Begegnung zwischen den verschiedensten erotischen Subkulturen, Bewusstheitsmethoden und Kunstrichtungen. Jetzt benötigt dieser experimentelle Raum für Tanz und BDSM neue Räume. Dabei soll ein Crowdfunding unterstützen. Mit dem Gründer und Kurator der Schwelle7 hat Erotik-Autorin und Paar- und Single-Coach Christine Janson gesprochen.

Lieber Felix, du bist Tänzer, Choreograph und Konzeptor. Was hat dich bewogen, die Schwelle7 vor 8 Jahren zu gründen?

Ich gründete die schwelle7 im Jahr 2007, vor allem um eine neue Art von Theater zu erfinden, da in meinen Choreographien das Prinzip Partizipation immer wichtiger wurde. Außerdem suchte ich finanzielle Unabhängigkeit von Fördergeldern, um in einem eigenen Raum frei forschen und arbeiten zu können.

Du bietest Raum für die Begegnung mit den verschiedensten erotischen Subkulturen. Wie nehmen die Teilnehmer diese Vielzahl von Angeboten an? Wo liegt das größte Interesse?

Das Publikum, das ich erreichen möchte, sind die Neugierigen und Aufgeschlossenen aus den verschiedenen Subkulturen (und Kulturen), deshalb macht ein undogmatisches Programm Sinn. Ich versuche die interessantesten Dozenten aus verschiedenen Bereichen zusammen zubringen, nicht nur mit erotischem, sondern auch künstlerischem Hintergrund. Die am meisten gebuchten Workshops sind meine Kurse zu BDSM und alles was mit Seil-Bondage zusammenhängt. Das Interesse an Shibari hat sich in den letzten Jahren rasant ausgebreitet und wir versammeln hier die weltweit wichtigsten Dozenten.

Wie hat BDSM dich und deine Sexualität verändert? Kannst du ein Erlebnis beschreiben, dass besonders eindrucksvoll für dich war?

BDSM hat auf jeden Fall meine sexuelle Orientierung verändert, da ich auf einmal ganz andere Frauen und Männer attraktiv finde. Emotionale Intelligenz, Kompetenz und Kreativität sind mir wichtiger geworden in Beziehungen. Die eindrucksvollsten Erlebnisse waren sicher die sexuellen Erfahrungen mit Männern, die so oft nur durch den BDSM Kontext (Rollenspiele, klare Kontrollmöglichkeiten und Machtverhältnisse) entstehen konnten.

Welchen Stellenwert hat Polyamorie für dich? Hat freie Liebe im Laufe deines Lebens eine andere Bedeutung gewonnen und welches sind deiner Meinung nach die größten Schwierigkeiten, die Paare oder Singles mit so einem Lebensstil haben?

Ich habe eigentlich immer schon (anfangs heimlich!) polyamor gelebt – ohne dabei besondere Schuldgefühle zu haben. Es erschien mir immer normal die Freundinnen meiner Freundin auch körperlich zu begehren. Um dies jedoch offen tun und leben zu können, musste ich zuerst viel Selbsterkenntnis und Selbstfindung leisten und viel Kommunikation üben. Von der Entscheidung zur Polyamorie bis hin zur Fähigkeit so zu leben, hat es bei mir um die 10 Jahre gedauert. Die größten Schwierigkeiten sind Neid, Verlassensängste und Minderwertigkeitsgefühle. Mit diesen Persönlichkeitsanteilen muss man sich auseinandersetzen wollen, was oft sehr schmerzhaft sein kann.

Ich habe dich schon einige Male bei einer Bondage Session beobachten dürfen. Das hat mich tief bewegt, weil es so elegant und mit größter Intensität passierte. Was ist für dich die Faszination an Bondage?

Bondage ist ähnlich wie eine tänzerische Improvisation ein gestalterischer Prozess mit ungewissem Ausgang. Es verlangt hohe Konzentration, Mut und Entschlossenheit. Da man Bondage nicht allein macht, ist es auch ein Prozess körperlicher Kommunikation und Einfühlung, der für starke Emotionen und damit Intensität sorgt. Es ist ein künstlerischer und in gewissem Sinne auch sexueller Akt zugleich.

Wie siehst du die Zukunft der schwelle7? Was wird in 20 Jahren sein?

Das ist alles sehr ungewiss. Jetzt geht es für mich erstmal darum, schwelle7 zu erhalten bzw. einen neuen, noch schöneren Platz für schwelle7 zu finden. Unser Mietvertrag wurde gekündigt und wir müssen zum Ende des Jahres die Räume in Berlin-Wedding verlassen. Wir versuchen jetzt gerade einen neuen Ort zu kaufen, aber es ist noch sehr unsicher, ob uns das gelingen wird. Die Unterstützungskampagne ist gerade angelaufen und wir hoffen sehr auf die Solidarität und Hilfe aller Freunde, Fans und aller früheren und zukünftigen Gäste.

Das vollständige Interview kann man unter http://christinejanson.de/de/blogreader/sexuell-frei-zu-leben-ist-schoener-gesuender-und-sozialer.html nachlesen.

Wer die Schwelle7 unterstützen möchte, kann dies hier tun: www.startnext.com/schwelle7 und das Interview auf Facebook teilen.

Fotos: Mélanie Le Grand und Schwelle7

Zurück

Einen Kommentar schreiben