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JOYclub - das erotische Netzwerk

separee
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Janina Gatzky

Séparée: Wie hat sich aus einem bayrischen Familienunternehmen in der Provinz im bayrisch-sächsisch-thüringischen Dreiländereck nahe der Kleinstadt Hof, das sich anfangs zunächst mit Werbung und Druck beschäftigt hat, der JOYclub entwickelt?

Christian Schumann: Ursprünglich ist JOYclub auf ein studentisches Programmier-Projekt zurückzuführen, das im Jahr 2000 als moderiertes Online-Forum gestartet ist. Anfangs noch ohne definierten Schwerpunkt etablierte sich ein ganz eigenes Themenfeld: Männer und Frauen nutzten die Foren-Gemeinschaft, um sich an einem neutralen, virtuellen Ort zu erotischen Themen auszutauschen und ihre Bedürfnisse, Ansichten und Fragen frei zu formulieren. Da bekam der Name des Forums plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Es folgte im Februar 2005 ein kompletter Relaunch: Sowohl der Aufbau als auch die Gestaltung wurden an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst. So ist aus dem kleinen Webprojekt eine Erotik-Community erwachsen.

Nun, elf Jahre später, ist JOYclub mit über zwei Millionen Mitgliedern eines der stärksten Netzwerke dieser Art in Deutschland. Aufgrund des Erfolgs sind die ursprünglichen Dienstleistungen des Unternehmens allmählich in den Hintergrund getreten. Oberfranken sind wir treu geblieben, doch ein zweiter Standort in Leipzig beherbergt ebenfalls einen Teil unseres etwa 100 Mitarbeiter umfassenden Teams.

Steckte hinter dem Projekt vor allem die verbreitete Hoffnung, mit Sex Geld zu verdienen – Stichwort „Sex sells“? Oder was trieb, was treibt dich an?

Nein, dieses Klischee können wir nicht erfüllen. Schnelles Geld war nie unser Antrieb, sonst stünden wir heute in puncto gesellschaftlicher Akzeptanz nicht da, wo wir stehen. JOYclub wäre nicht das, was es vor allem ist: eine über Jahre gewachsene und sehr aktive Community. Und als solche bieten wir so viel mehr als beliebige Pornoseiten, bei denen es zusammengefasst um kurzfristige und einseitige Befriedigung geht – vor allem um die der männlichen Nutzer. Doch was ist mit den weiblichen?

Es ist schön, zu sehen, dass JOYclub dazu beiträgt, dass sich Frauen und Männer die Freiheit nehmen, ihre sexuellen Fantasien gemeinsam auszuleben und dabei respektvoll miteinander umgehen. JOYclub ist ein Ort, um gesellschaftliche Zwänge abzustreifen, zu experimentieren, ohne dabei diskriminiert zu werden. Es geht darum, unsere Gesellschaft ein wenig offener und toleranter zu gestalten, nicht um schnelles Wachstum.

Den JOYclub bilden über zwei Million User. Was unterscheidet den JOYclub von anderen Dating-Plattformen?

Der Unterschied ist enorm groß: JOYclub ist keine Dating-Plattform im eigentlichen Sinne, sondern ein soziales Netzwerk, in dem Frauen, Männer und auch Paare, eine erotische Erlebniswelt vorfinden. Dazu zählen ein Forum mit weit über 30 Millionen Beiträgen rund um Beziehung, Sex und Freizeit sowie informative Beiträge in unserem Magazin. Wer über den Dating-Aspekt hinaus Bereicherung aller Art sucht, findet in den rund 900 JOYclub-Gruppen themenbezogene, privatere Gemeinschaften, in denen sich Mitglieder vernetzen, austauschen und Anregungen holen. Möglichkeiten, diese Mitglieder real zu treffen, gibt es natürlich auch: Neben zahlreichen, regionalen Stammtischtreffen werden auch erotische Events von privaten und professionellen Anbietern in unserem Veranstaltungskalender gelistet.

Dank dieser engen Verknüpfung zwischen der Online- und Offline-Welt schafft die Community eine wichtige Hilfestellung für Empfehlungen. Fragen zum ersten Swingerclub-Besuch oder nach einem diskreten Sextoy kann Google vielleicht beantworten – JOYclub auf jeden Fall.

Bist du selbst im JOYclub als User aktiv oder privat doch ganz konservativ?

Gegenfrage: Was versteht man heutzutage unter dem Begriff „konservativ“? Die Auffassung dessen, was man früher als konservativ bezeichnet hat, hat sich in den letzten Jahren doch deutlich verändert. Insbesondere wenn wir von Sexualität und Emanzipation sprechen, wie ich finde. Wenn sich zwei Personen kennenlernen, spricht nichts dagegen, das Bett des Anderen mal Probe zu liegen, vorausgesetzt, beide möchten das. Gleichzeitig muss man auch betonen, dass konservativ ja nicht langweilig heißen muss. Es gibt da zum Beispiel im JOYclub sehr viele verheiratete Paare, die die Community nutzen, um ihr Sexleben einfach ein bisschen aufregender zu gestalten. Dazu reicht es manchen, sich inspirieren zu lassen, andere entdecken vielleicht ganz neue Seiten an sich. Diese auszuleben, braucht oft etwas Mut oder Selbstbewusstsein – oder die passenden Begegnungen im JOYclub.

Ob ich ein aktives Mitglied der Community bin? Selbstverständlich!

Wo siehst du den JOYclub in 10 Jahren? Wohin wird die Reise in der Erotik-Branche allgemein in den nächsten Jahren gehen?

Es gibt aktuell viele Entwicklungen innerhalb der Branche, die sehr aufregend und gleichzeitig doch ambivalent sind. Der ganze Dating-Bereich zum Beispiel, mit all den verschiedenen neuen Plattformen und Apps, bietet vermeintlich immer mehr Möglichkeiten, sich zwischen Feierabend und Kinobesuch unverbindlich auf ein Glas Wein zu verabreden. Der technische Fortschritt setzt sich auf dem Markt für Sexspielzeug fort. Mittlerweile lassen wir im Rahmen unseres Magazins erste App-gesteuerte Vibratoren von Mitgliedern testen. Wichtig ist, dass das Angebot dahingehend die weiblichen Bedürfnisse ernster nimmt. Die Nachfrage ist sehr groß; bedenkt man, dass eine unserer Umfragen ergab, dass über 90 Prozent der Frauen im JOYclub Sextoys nutzt. Ob sich dieser Trend auch im Bereich der Pornografie durchsetzen wird, da will ich mich lieber nicht festlegen. Das Thema Virtual Reality wird jedenfalls immer spannender. Doch trifft die Pornoindustrie da wohl den Nerv beider Geschlechter?

Neben all den Fortschritten ist und bleibt die Sicherheit ein ganz wichtiger Aspekt innerhalb der Branche. Da gibt es vieles, was nach wie vor Verunsicherungen hervorruft, etwa der fahrlässige Umgang oder gar Missbrauch von Nutzerdaten. Egal ob es sich um vernetztes Spielzeug oder eine Dating-App handelt, jeder will doch, dass intime Geheimnisse privat bleiben und daher von Unternehmen ausreichend geschützt werden. Das ist leider, wie die Vergangenheit zeigte, bei anderen Anbietern oftmals nicht der Fall. Wie sich JOYclub weiterentwickeln wird, ist davon natürlich ebenfalls abhängig. Generell würde ich sagen, dass es in zehn Jahren noch normaler sein wird, Mitglied in einer Erotik-Community zu sein – das hoffe ich zumindest! Denn Tabus werden mehr und mehr abgebaut, große Teile unserer Gesellschaft sind sexuell aufgeschlossener geworden. Es braucht allerdings immer einen passenden Rahmen, um sich auszutoben. Einen Rahmen, der einem nicht das Gefühl gibt, sich aufgrund eines Fetischs oder eines großen Erfahrungsschatzes bloß zu stellen. Den bieten wir mit unserer Community. Der Bedarf danach wird in zehn Jahren vermutlich nicht geringer. Und wenn wir dazu beitragen können, dass Menschen so leben und lieben können, wie sie es sich wünschen, dann sind wir mit unserer Mission erfolgreich.

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