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Autorin Sandra Henke im Interview

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Manche Figuren müssen zu ihrem Glück gezwungen werden.

Frau Henke, wie muss man sich den Arbeitsplatz der Autorin vorstellen, die als „Deutschlands Königin des erotischen Romans“ gefeiert wird – Lack und Leder, Samt und Seide … oder stapelweise Notizzettel und Recherchematerial?

Sandra Henke: Um in Stimmung für Erotika zu kommen, schreibe ich täglich im Domina-Outfit in meinem als BDSM-Keller umgebauten Büro … (lacht) Wenn dass die Vorstellung ist, die man von einer Erotikautorin hat, ist man auf dem falschen Dampfer. Wir sind normale Menschen – unsere multiplen Persönlichkeiten leben wir nur in Romanen aus, meistens jedenfalls. Wir tragen bei der Arbeit ganz normale Kleidung – ob wir in unserem Privatleben verführerische Dessous oder Windeln tragen, um uns wieder als Baby zu fühlen, geht niemanden etwas an. Und ja, wir schreiben an einem normalen Arbeitsplatz. Auch das Ausformulieren von erotischen Szenen ist und bleibt Arbeit – aber zugegeben, es macht mehr Spaß über Squirting anstatt über Fracking zu schreiben.

Warum haben Sie Japan als Schauplatz Ihres Romans LOTOSBLÜTE gewählt?

Nirgendwo ist der Kontrast zwischen Kultur und Moderne größer als in Japan, finde ich. Das reizt mich an diesem Land.

Können Sie das etwas genauer erklären?

Auf der einen Seite legen die Japaner extrem großen Wert darauf, ihre Kultur weiterzuleben und zu erhalten, auf der anderen sind sie eines der fortschrittlichsten Länder. Die Kluft ist immens. Da stellen sich mir zwei Fragen: Wie meistern die Japaner den Spagat im Alltag? Und wie lange werden sie es noch schaffen, ihre althergebrachte Kultur weiterleben zu lassen? Leider interessiert sich die Jugend in Japan mehr für Popstars als für Traditionen, genauso wie es in Deutschland der Fall ist. Eben jenen Zwiespalt habe ich als Basis für „Lotosblüte“ ausgewählt, weil er eine außergewöhnliche und kaum zu lösende Ausgangssituation für mein Liebespaar Bree und Ryan bietet.

Was mögen Sie an Ihrer Hauptfigur Bree?

Sie ist eine Kämpferin, wie alle meine Heldinnen, und gleichzeitig verspürt sie den innigen Wunsch, sich in der Erotik zu unterwerfen. Im Inneren ring sie mit ihrer Erziehung und mit Ängsten – und traut sich dennoch, ihrer Neigung nachzugehen, wenn auch zuerst zaghaft. Doch als Bondage-Model für ihre Freundin wird sie wohl kaum die Erfüllung ihres Sexlebens finden...

Als Bondage-Model aufzutreten, ist nun nicht wirklich verklemmt.

Gemessen an dem, was in Bree schlummert, ist dies harmlos – sonst wäre sie keine Figur, die für Leserinnen und Leser attraktiv ist. Daher dränge ich sie frei nach dem Motto „Manche Figuren müssen zu ihrem Glück gezwungen werden“ im Laufe der Romanhandlung, sich ihrer Lust zu stellen, wie eine Mutter, die ihre Tochter liebevoll ins kalte Wasser wirft, damit sie schwimmen lernt. Und siehe da, Bree bricht tatsächlich mit ihrem bisherigen Leben. Sie entdeckt ihre sexuelle und private Erfüllung. Dadurch hoffe ich den Leserinnen zu zeigen, dass es nur ein wenig Mut braucht, um sein Glück zu finden.

Worin liegt für Sie der Reiz, über dominante Männer zu schreiben und die Frauen, die sich ihnen hingeben?

Träumen wir nicht alle von einem starken Mann, der uns eine Lust bereitet, die uns in den Wahnsinn treibt? Das ist ein archaisches Muster, das in vielen von uns verankert ist.

Manche Feministin würde Ihnen an dieser Stelle vehement widersprechen.

Ich schreibe keine Sachbücher über das Leben, wie es ist oder wie es sein sollte – ich schreibe Romane über erotische Fantasien, die das eigene Kopfkino beflügeln. In diesem Sinn sind meine Bücher feministisch, denn ich erzähle von Frauen, die selbstbestimmt agieren und lernen, jenseits gesellschaftlicher Normen und Anforderungen zu sich selbst zu stehen. Allerdings muss ich betonen, dass sich das Machtverhältnis in meinen Romanen rein auf die Erotik bezieht. 24/7 in einer dominant-unterwürfigen Konstellation zu sein, ist ein Lebensmodell, das sich nur wenige vorstellen können, und ich gehöre nicht dazu.

Sie möchten also nicht mit Bree tauschen?

Diese Frage stellt sich so nicht. Fantasien oder Rollenspiele beim Sex sind etwas anderes, als sich im Alltag einem Mann zu unterwerfen. Es geht mir in meinen Romanen ausschließlich um sexuelle Anziehungskraft, das Ausleben gemeinsamer Neigungen und eine Symbiose, die das Heldenpaar neben der Liebe noch stärker zusammenschweißt. Man könnte es als Magnet animalischen Ursprungs bezeichnen.

Aber würde Sie ein Mann wie Ryan Ishikawa reizen?

In der Realität wäre dafür meine Freiheitsliebe zu stark. (lacht) Er könnte mir seine Liebe nur beweisen, in dem er mich gehen ließe – und das kann er nicht, aus Gründen, die im Roman angesprochen werden. Ein nicht zu lösendes Dilemma! Aber die Fantasie ist grenzenlos. Ryan ist eine Sahneschnitte, naturdominant und zudem ein Martial-Arts-Kämpfer, also gewohnt, die Kontrolle über sich zu bewahren und im richtigen Moment zuzuschlagen. Gibst es bessere Voraussetzungen für einen Dominus? Dieser Kerl ist ein Traum! In zweifacher Hinsicht.

„Lotusblüte“ von Sandra Henke ist seit 15.5.15 als Teil der Séparée-Edition in Zusammenarbeit mit venusbooks erschienen.

Erhältlich auf www.venusbooks.de und überall, wo es gute eBooks gibt.

credit Bondage Foto: Thomas Hofmann

credit Sandra Henke: Ricarda Ohligschläger

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